Beispielschicksal

 

Nach Ablauf dieser Frist haben sich zwei Gläubiger einverstanden erklärt, vier die Zustimmung verweigert und ein Gläubiger meldete sich nicht. Obwohl dies als Zustimmung aufgefasst wird ist die Mehrheit (4 Gläubiger) gegen den gerichtlichen Vorschlag.

 

Nun geht das Verfahren zum nächsten Schritt, dem vereinfachten gerichtlichen Insolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung über. Das Gericht überprüft zunächst, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung des Verfahrens vorliegen:

 

  • Zahlungsunfähigkeit,
  • zulässiger Personenkreis und
  • Deckung bzw. Stundung der Verfahrenskosten. 

 

Für mich bringt dieser Teil des Verfahrens den Vorteil, dass ich von den Gläubigern unabhängig handeln kann. Das Gericht setzt nun einen Treuhänder für mich ein. Da in meinem Haushalt keine Wertgegenstände mehr zu pfänden sind, informiert der Treuhänder meinen Arbeitgeber über eine Lohnpfändung.

Ich habe große Angst, dass dieser mir nun kündigen würde, aber die Dame von der Buchhaltung sagt mir, dass dies nichts Außergewöhnliches sei und erst Recht kein Kündigungsgrund wäre. Da fällt mir ein Stein vom Herzen. So wird nun ein Teil meines Arbeitslohns direkt an den Treuhänder weitergeleitet, der daraus zuerst die Verfahrenskosten (Gerichts- und Treuhänderkosten) und dann die Zahlungen an die Gläubiger begleicht.

 

Mein Girokonto wurde auch vom Treuhänder gepfändet, ich habe nun bei der Bank ein Konto auf Guthabenbasis, so dass ich nach wie vor alle Überweisungen für Miete, Strom und Wasser erledigen kann.

 

Was mir von meinem Lohn bleibt, reicht nicht für sehr viel, aber ich kann davon leben. Dass ich meine Einkaufsgewohnheiten verändern muss und nicht mehr alles haben kann was ich sehe, wusste ich schon vorher. Manchmal fällt es mir schwer nein zu sagen, aber die Aussicht schuldenfrei sein zu können motiviert mich immer wieder.

 

Das Gericht hebt nun das Verfahren auf, und meine sechsjährige Wohlverhaltensperiode beginnt.


Ich habe in dieser Zeit Pflichten, die ich erfüllen muss um die Restschuldbefreiung zu erlangen. Ich muss in dieser Zeit dem Gericht und dem Treuhänder jeden Wohn- und Arbeitsplatzwechsel mitteilen ich muss arbeiten und Vermögen, das mir während dieser Zeit zukommt, anmelden.
Jetzt habe ich eine zweite Chance mein Finanzleben zu regeln. Ich weiß, dass der Weg zur Schuldenbefreiung kein einfacher ist und von mir Opfer verlangt, aber ich will es durchstehen, denn ich möchte nie mehr diesem Schuldendruck ausgesetzt sein. Und schon jetzt weiß ich, dass ich danach in finanziellen Dingen wesentlich klüger handeln werde.

 

Marion Berger*

 

* Name von der Redaktion geändert 

 

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