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03.06.14 Mietnomaden

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Kategorie: News private Insolvenz, News Forderungsausfall, News Recht & Gesetz


Bei der Wohnungsbesichtigung wirken sie freundlich und vertrauenswürdig. Oft sind sie gut gekleidet, eloquent und wortgewandt. Doch sobald sie in die Immobilie eingezogen sind, zeigen sie ihr wahres Gesicht: Die Mietnomaden.

Einige zahlen zuerst noch fristgerecht die Miete und stellen die Zahlungen erst nach und nach ein, andere machen sich diese Mühe erst gar nicht und verweigern von Anfang an die Zahlungen, oft mit der Begründung, in der Immobilie würden Mietmängel vorliegen. Will der Vermieter den Mietnomaden zum Auszug aus der Immobilie bewegen, reicht eine fristlose Kündigung in den meisten Fällen nicht aus und der langwierige Rechtsweg muss eingeschlagen werden. Was aber unterscheidet Mietnomaden von insolventen Mietern, wie können sich Vermieter im Vorfeld schützen, damit sie erst gar nicht an Mietnomaden geraten und welche rechtlichen Mittel stehen Vermietern zur Verfügung, um gegen Mietnomaden vorzugehen?

                           

                             So leicht sind Mietnomaden leider nicht zu erkennen.

 

Definition des Begriffs Mietnomade und Unterschied zu insolventen Mietern

Als Mietnomaden werden Personen bezeichnet, die vorsätzlich ein Mietverhältnis eingehen, mit der Absicht, keine Miete an den Vermieter zu entrichten. Dabei missbrauchen Mietnomaden das geltende Mietrecht. So begründen sie beispielsweise durch fingierte Mängel an der Immobilie eine Mietminderung oder eine komplette Einstellung der Mietzahlungen. In manchen Fällen achten Mietnomaden auch darauf, dass die an den Vermieter zu zahlenden Rückstände nicht mehr als zwei Monatsmieten betragen. So versuchen sie ein juristisches Vorgehen des Vermieters zu verhindern. Oft geht das Mietnomadentum mit einer Vernachlässigung oder sogar einer vorsätzlichen Vermüllung der Wohnung einher. Diese wird dann fluchtartig verlassen und der Vermieter bleibt auf den entstandenen Kosten sitzen. Mitnomaden haben in der Regel von vornherein nicht vor, mehr als eine Miete und die Kaution zu zahlen. Die Vorsätzlichkeit ihres Handelns unterscheidet sie von insolventen Mietern. Diese sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in der Lage, die Mietschulden zu begleichen, handeln jedoch nicht vorsätzlich.

                        

Insolvente Mieter handeln im Gegensatz zu Mietnomaden nicht vorsätzlich.

 
 

Mietnomaden von insolventen Mietern zu unterscheiden, ist dabei nicht immer einfach. Meist händigen Mietnomaden schon zu Beginn des Mietverhältnisses falsche Angaben über ihr Einkommen und ihre Zahlungsfähigkeit an den Vermieter aus oder geben ehemalige Anschriften nicht an. So wollen sie verhindern, dass der Vermieter sich im Vorfeld genau informiert und aufdeckt, dass sie schon frühere Vermieter um ihre Mieteinnahmen betrogen haben. Mietnomaden können aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen und sind keineswegs immer sozialschwache Menschen. Auch Personen, die die Miete problemlos zahlen können, werden häufig als Mietnomaden überführt. Der Begriff Mietnomade ist eine Anspielung auf die Lebensart von Nomaden, also Wandervölkern, die zum Beispiel in der afrikanischen Sahara leben, nicht sesshaft sind und von einem Ort zum anderen ziehen. Mietnomaden suchen sich die Vermieter dabei oft gezielt aus und sind vor allem in Regionen, in denen viele Wohnungen leer stehen, aktiv. Dort sind die Vermieter froh, wenn überhaupt jemand die Immobilie mietet. Meist wenden sich Mietnomaden zudem an private Vermieter, die mit der Vermietung der Immobilie zum Beispiel ihre Altervorsorge absichern wollen. Wohnungsgesellschaften sind seltener von Mietnomaden betroffen, da sie im Vorfeld die potentiellen Mieter genauer prüfen.

Dabei dürfen Vermieter sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen. Wie schon erwähnt, kommen Mietnomaden in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Oft handelt es sich um gebildete, wohlhabende und eloquente Personen, die bewusst die Lücken im Mietrecht zu ihren Gunsten ausnutzen.

 

Welche Kosten entstehen durch Mietnomaden

Schätzungen zufolge entstehen durch einen durchschnittlichen Mietnomaden in Deutschland jährlich Kosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Die Kosten setzen sich aus den anlaufenden Mietrückständen, Anwaltskosten und Schäden in und an der Immobilie zusammen und sind, im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Mietnomaden, meist vom Vermieter selbst zu tragen.

 

Mietrückstände

Die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund schätzt, dass sich die Mietrückstände aktuell in Deutschland auf rund 2,2 Milliarden Euro belaufen. Diese Mietrückstände gehen nicht allein auf das Verschulden von Mietnomaden zurück, sondern auch Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung oder ähnliche Gründe können eine Rechtfertigung sein, warum Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Miete zu zahlen. Wie viele Mietnomaden es derzeit in Deutschland gibt, ist nicht bestätigt. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund spricht von 15.000 Mietnomaden, der Deutsche Mieterbund nur von 1.000. Die offensichtlichen Kosten, die Mietnomaden verursachen sind Mietrückstände. Diese sind auch die ersten Kosten, die dem Vermieter deutlich werden. So zahlen manche Mietnomaden von Anfang an überhaupt keine Miete, während andere die erste oder die ersten paar Monatsmieten zahlen. Wieder andere Mietnomaden geben an, es befänden sich Mängel an der Immobilie, die eine Mietminderung rechtfertigen würden und zahlen daraufhin nur einen gewissen Prozentsatz der Miete. Hat der Mieter vorgesehen die Einnahmen aus der Vermietung der Immobilie für die Rückzahlung des Investitionskredits zu verwenden, entstehen durch die Mietausfälle zusätzliche Kreditszinsen zu Lasten des Vermieters. Erst, wenn der Mieter zwei Monatsmieten in Folge nicht gezahlt hat, kann der Vermieter eine fristlose Kündigung aussprechen.

Anwaltskosten

                          

Die durch Mietnomaden entstehenden Anwaltskosten sind in der Regel vom Vermieter selbst zu tragen

Verlässt der Mieter trotz der fristlosen Kündigung dennoch nicht die Immobilie, kann der Vermieter rechtliche Schritte einleiten. Oft ist das die einzige Möglichkeit, um weiteren Mietausfällen entgegenzuwirken. Solch ein rechtliches Vorgehen gestaltet sich jedoch meist sehr langwierig und kostenintensiv. Die entstehenden Anwaltskosten muss der Vermieter in der Regel selbst tragen.

 

Schäden in und an der Immobilie

Viele Mietnomaden verursachen nicht nur vorsätzlich Mietausfälle, sonder wirtschaften zusätzlich auch die Immobilie herunter. Die Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund schätzt, dass die jährlichen Kosten, welche Mietnomaden verursachen und die sich aus den Schäden in und an der Immobilie ergeben, sich auf rund 25 Millionen Euro belaufen. Ganze 95 Prozent aller Mietnomaden sollen die Immobilien in beschädigtem Zustand hinterlassen.

 

Vorsichtsmaßnahmen

Vermieter können sich vor Mietnomaden schützen. Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, dass Vermieter bei der Vermietung einer Immobilie nicht allein auf ihre Menschenkenntnis vertrauen. Mietnomaden treten, wie schon erwähnt, oft sehr eloquent und redegewandt auf und führen die zukünftigen Vermieter hinters Licht. Zudem können vorgelegte Verdienstbescheinigungen oder SCHUFA-Auskünfte durchaus gefälscht sein. Selbst, wenn diese Angaben richtig sind und der potentielle Mieter wirklich über genügend Einnahmen und Rücklagen verfügt, um sich die Miete leisten zu können, kann immer noch ein Betrüger dahinter stecken, der vorhat, die bestehenden Lücken im Rechtssystem zu seinen Gunsten auszunutzen. Es ist also entscheidend, dass der Vermieter sich im Vorfeld ausreichend absichert, um den durch Mietnomaden entstehenden finanziellen Verlust zu vermeiden.

 

Mietvertrag

Vermieter sollten sich bei der Vermietung einer Immobilie nicht ausschließlich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Der Mietvertrag ist eine Möglichkeit, sich im Vorfeld rechtlich abzusichern. So kann der Vermieter durch entsprechende Angaben im Mietvertrag zum Beispiel dafür sorgen, dass der Mieter keine größeren Haustiere mit in die Wohnung bringt. Kleintiere, wie Fische, Vögel oder Kaninchen darf der Vermieter jedoch nicht verbieten. Hat er aber Angst, Hunde oder Katzen könnten die Immobilie beschädigen oder eine Lärmbelästigung darstellen, kann er die Haltung dieser im Mietvertrag von Anfang an untersagen. Mittlerweile können individuelle Mietverträge kostenlos online gestaltet werden. Portale, wie Aktuelle-Bauzinsen-Info bieten spezielle Mietvertrag-Generatoren an.

Ein weiterer Punkt, auf den der Vermieter ebenfalls achten sollte, ist, dass Schönheitsreparaturen an der Immobilie grundsätzlich die Pflicht des Vermieters sind. Ist der Mietvertrag entsprechend gestaltet, kann er allerdings auch diese auf den Mieter abwälzen. Wichtig ist in diesem Fall nur, dass sich keine unwirksamen Klauseln im Mietvertrag befinden. Zahlreiche neuere Urteile des Bundesgerichtshofs sind zu Lasten der Vermieter ausgefallen. So ist es für den Mieter zum Beispiel nicht mehr verpflichtend grundsätzlich bei Auszug die Immobilie zu renovieren.

Die richtige Gestaltung des Mietvertrags kann den Vermieter also rechtlich schützen, ist aber keine Garantie, dass Mietnomaden nicht trotzdem die Wohnung herunterwirtschaften und mit der Miete in Rückstand geraten.

 

Bonitätscheck

Ein Bonitätscheck gibt Auskunft über die finanziellen Verhältnisse des potentiellen Mieters. So kann der Vermieter einschätzen, ob der Mieter in der Lage ist, die monatliche Miete problemlos zu zahlen. Die Bonitätsprüfung kann bei unterschiedlichen Portalen ganz einfach online eingeholt werden, läuft aber immer über die SCHUFA. Die SCHUFA ist eine zentrale Datenbank, die Informationen über das Zahlungsverhalten von mehr als 66,2 Millionen Personen in Deutschland gespeichert hat. Meist handelt es sich dabei um positive Informationen, die auf ein vertragsmäßiges Zahlungsverhalten zurückgehen. Sollten Personen allerdings schon einmal ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen sein, wird auch das bei der SCHUFA gespeichert. Fordert der Vermieter einen Bonitätscheck vom potentiellen Mieter, sieht er so, ob der Vermieter in der Vergangenheit schon einmal versäumt hat, seine Miete oder beispielsweise anfallende Raten zu zahlen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn der Bonitätscheck kann vom Mieter auch gefälscht worden sein.

                           

Die SCHUFA gibt Auskunft über das bisherige Zahlungsverhalten des potentiellen Mieters.

Es ist zudem ratsam, sich einen aktuellen Einkommensnachweis des potentiellen Mieters aushändigen zu lassen. Da diese zumeist maschinell erstellt sind und nicht händisch unterschrieben werden, sind jedoch auch sie nicht vor Fälschungen sicher. Zudem sagt ein Einkommensnachweis nichts darüber aus, ob der potentielle Mieter seine Arbeitsstelle nicht gerade gekündigt hat oder  selbst gekündigt wurde. Eine Möglichkeit für Vermieter, sich in diesem Fall weiter abzusichern, ist es, aktuelle Kontoauszüge des potentiellen Mieters zu verlangen, auf denen der Eingang des Gehalts aufgelistet ist. Zudem kann der Vermieter mit Hilfe der Kontoauszüge und des letzten Mietvertrags auch nachprüfen, ob der Mieter die Miete bei seiner letzten Wohnung immer rechtzeitig und in voller Höhe gezahlt hat. Einige Vermieter weigern sich, die Mietschuldenfreiheit ihrer Mieter vor deren offiziellen Auszug zu bestätigen. Zudem sind persönliche Gespräche mit dem noch laufenden Vermieter nicht zu empfehlen. Sollte er den Mieter loswerden wollen, wird er dem neuen Vermieter wahrscheinlich nicht die Wahrheit über dessen Verhalten mitteilen.

Zudem sollte der Vermieter sich den Personalausweis des potentiellen Mieters vorlegen lassen. Ist dieser abgelaufen oder ist die darauf angegebene Adresse nicht aktuell, ist besondere Vorsicht geboten. Denn wer sich in der Vergangenheit etwas zu Schulden kommen lassen hat, verzichtet oft auf den Gang zum Einwohnermeldeamt. Mahnungen oder Gerichtsschreiben können so nämlich nicht zugestellt werden.

 

Vermieterschutzkartei

Eine weitere Möglichkeit für Vermieter, sich vor Mietnomaden zu schützen, ist die Mitgliedschaft in der Vermieterschutzkartei. Die Vermieterschutzkartei ist ein im Handelsregister eingetragenes Dienstleistungsunternehmen. Die Vermieterschutzkartei verfügt über eine Datenbank, die täglich aktualisiert wird. Dort werden Mieter aufgelistet, die in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind. Die Vermieterschutzkartei erteilt Auskünfte über diese Mieter an Vermieter, die sich im Vorfeld bei dem Dienstleistungsunternehmen registriert haben. So haben Vermieter eine zusätzliche Absicherung, um sich vor bereits auffällig gewordenen Mietnomaden oder anderen so genannten „Negativmietern“ zu schützen.

 

Kaution

Die Kaution dient ebenfalls der Absicherung des Vermieters. In diesem Fall handelt es sich um eine finanzielle Absicherung. Die Kaution darf höchstens drei Monatskaltmieten betragen und ist vom Mieter vor oder bei Einzug an den Vermieter zu entrichten, kann jedoch auch in mehreren Raten gezahlt werden. Sollte der Mieter mit seinen Mietzahlungen in Rückstand geraten oder die Wohnung bei Auszug nicht in dem im Vertrag vereinbarten Zustand übergeben, hat der Vermieter das Recht die Kaution einzubehalten. Da die Schäden, die durch Mietnomaden entstehen, in der Regel jedoch drei Monatskaltmieten um ein Vielfaches übersteigen, ist die Kaution nur ein kleiner Schutz. Trotzdem sollte auf sie in keinem Fall verzichtet werden.

 

Mietausfall- und Rechtsschutzversicherung

Eine Mietausfallversicherung übernimmt im Schadensfall die angelaufenen Mietrückstände. Dies bezieht sich allerdings meist nur auf die Kaltmiete und ein Anspruch auf Zahlung besteht auch nur dann, wenn der Mieter nicht zahlungsfähig ist oder nicht aufgefunden werden kann. Die zu zahlenden Jahresbeiträge sind dabei oft nicht mal besonders hoch und betragen, je nach Versicherung, im Schnitt zwischen 30 und 100 Euro. Das Problem bei diesen Versicherungen ist, dass sie in der Regel nur Kosten zwischen 5000 und 10.000 Euro abdecken. Handelt es sich um einen Mieter, der seine Miete aus finanziellen Gründen nicht mehr zahlen kann, sich ansonsten aber kooperativ verhält, die Wohnung räumt und sie in einem angemessenen Zustand übergibt, mag dieser Betrag ausreichen, Mietnomaden verursachen häufig aber einen sehr viel höheren Schaden. Insofern ist eine Mietausfallversicherung für Vermieter ebenfalls nur ein geringfügiger Schutz.

Einige Versicherungen werben damit, auch die entstandenen Kosten für versäumte Nebenkostenzahlungen und sogar die Kosten für Renovierungsarbeiten zu übernehmen. In diesen Fällen sind die jährlichen Beiträge jedoch sehr viel höher angesetzt und können, zum Teil, sogar drei bis fünf Prozent der Nettojahresmiete betragen. In vielen Fällen erwarten die Versicherungen zudem eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent vom Vermieter und machen die Zahlungen von unterschiedlichen Bedingungen abhängig.

                              

Sinnvoller ist da der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Da Mietnomaden in der Regel auch nach einer fristlosen Kündigung nicht ausziehen, folgt oft ein langwieriger und vor allem teuerer Rechtsstreit vor Gericht. Diese springt in vielen, jedoch nicht in allen Fällen ein und übernimmt die Anwaltskosten, die Gerichtskosten und die Kosten für Zeugen und Sachverständige. Die Rechtschutzversicherung kann, je nach Versicherer, im Baukastenprinzip individuell zusammengestellt werden. Eine Rechtschutzversicherung übernimmt meist auch die Kosten einer Räumung.

 

Rechtliche Mittel gegen Mietnomaden

Hat sich, trotz der Vorsichtsmaßnahmen ein Mietnomade in die Immobilie des Vermieters eingemietet und zahlt keine Miete, hat der Vermieter verschiedene Möglichkeiten, rechtlich gegen den Mieter vorzugehen. Auf die fristlose Kündigung kann, bei Nichtbeachtung, eine Räumungsklage folgen. Auch der Urkundenprozess ist eine Option für viele Vermieter.

 

Fristlose Kündigung

Hat der Mieter es versäumt, zwei aufeinander folgende Monatsmieten zu bezahlen, hat der Vermieter das Recht, diesem fristlos zu kündigen und das auch ohne vorher eine Mahnung rauszuschicken. Dabei muss die Kündigung in jedem Fall schriftlich erfolgen und der Zahlungsverzug muss darin als Grund aufgeführt werden. Der Vermieter hat außerdem dafür Sorge zu tragen, dass die Kündigung auch wirklich beim Mieter ankommt. Dies kann durch Beauftragung eines Gerichtsvollziehers erfolgen oder es wird ein Bote als Zeuge bestellt, der bezeugen kann, dass der Mieter die fristlose Kündigung erhalten hat und sich in dem Umschlag auch wirklich das Dokument befand. Wichtig ist weiterhin, dass der Vermieter in der fristlosen Kündigung erklärt, dass er einer Fortsetzung des Mietverhältnisses, nach dem vom Gerichtsvollzieher festgelegten Räumungstermin, widerspricht. So stellt der Vermieter sicher, dass das Mietverhältnis nicht auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Vermieter beachten sollten, ist, dass die fristlose Kündigung hinfällig wird, wenn der Mieter seine Schulden, während des Gerichtsprozesses, begleicht. Um sich vor einem weiterhin bestehenden Mietverhältnis zu schützen, muss der Vermieter neben der fristlosen Kündigung auch direkt eine ordentliche Kündigung aussprechen.

                              

 

Die SCHUFA gibt Auskunft über das bisherige Zahlungsverhalten des potentiellen Mieters.

 

Nachdem der Mieter die fristlose Kündigung erhalten hat, ist er verpflichtet, die Wohnung innerhalb von 14 Tagen zu räumen. Tut er dies nicht, kann der Vermieter eine Räumungsklage erwirken. Ein Räumungsverfahren ist jedoch sehr kostenintensiv und kann sich mitunter über viele Monate hinziehen. Das liegt einerseits daran, dass der Vermieter verpflichtet ist, bestimmte Fristen einzuhalten, andererseits sind die Gerichte derart überlastet, dass das Verfahren nur schleppend vorangeht. Mit dem 2013 in Kraft getretenen, verbesserten Rechtsschutz sind die Gerichte dazu verpflichtet, Räumungssachen vorrangig zu bearbeiten. Vor diesem Gerichtsurteil konnte sich solch ein Verfahren teilweise sogar über Jahre hinziehen.

Weiterhin heißt es nach dem 2013 in Kraft getretenen Rechtsschutz dazu:

 

·         „Wenn ein Vermieter ein Räumungsurteil erstritten hat, kann er die Wohnung durch einen Gerichtsvollzieher räumen lassen, ohne gleichzeitig die - oft kostenaufwendige - Wegschaffung und Einlagerung der Gegenstände in der Wohnung durchzuführen.

·         Das Räumungsurteil richtet sich zunächst ausschließlich gegen den Mieter. Wurde also die Wohnung ohne Kenntnis des Vermieters untervermietet, so kann zwar nicht sofort geräumt werden, der Vermieter hat aber im einstweiligen Verfügungsverfahren die Möglichkeit, auch gegen den unberechtigten Untermieter einen Räumungstitel zu bekommen.“

(Quelle: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mietnomaden.html )

 

Sicherheitsanordnung

Eine Sicherungsanordnung verpflichtet den Mieter vor Gericht für die, während des Verfahrens anfallende Miete eine Sicherheit zu hinterlegen. Dies kann eine Bürgschaft oder eine Form der Geldhinterlegung sein. Im Gesetzestext heißt es dazu:

„(1) Wird eine Räumungsklage mit einer Zahlungsklage aus demselben Rechtsverhältnis verbunden, ordnet das Prozessgericht auf Antrag des Klägers an, dass der Beklagte wegen der Geldforderungen, die nach Rechtshängigkeit der Klage fällig geworden sind, Sicherheit zu leisten hat, soweit

 

1.

die Klage auf diese Forderungen hohe Aussicht auf Erfolg hat und

 

2.

die Anordnung nach Abwägung der beiderseitigen Interessen zur Abwendung besonderer Nachteile für den Kläger gerechtfertigt ist. Hinsichtlich der abzuwägenden Interessen genügt deren Glaubhaftmachung.“

(Quelle: http://dejure.org/gesetze/ZPO/283a.html )

 

Urkundenprozess

Der Vermieter kann die Zahlungsansprüche, welche er an den Mieter richtet, in einem so genannten Urkundenprozess geltend machen. Der Vorteil dieser Prozessart ist, dass der Vermieter seine Ansprüche durch Vorlage von Urkunden begründen kann. Die Mietrückstände können in der Regel durch Vorlage des Mietvertrages nachgewiesen werden. Zudem sind Einwendungen des Mieters, zum Beispiel die Forderung nach einer Minderung der Miete, meist ausgeschlossen, da diese sich nicht durch Urkunden belegen lassen. So bietet sich im Falle von ausbleibenden Mietzahlungen ein Urkundenprozess an. Zudem kann der Vermieter nach wenigen Monaten einen Zahlungstitel erwirken. Daraufhin kann das Konto des säumigen Mieters gesperrt werden. Hat der Mieter keinen Zugriff auf sein Geld mehr, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er die Immobilie zeitnah räumt.

 

Fazit

Der 2013 in Kraft getretene Rechtsschutz bietet einige Vorteile für Vermieter. Hat sich erst einmal ein Mietnomade in die Immobilie eingemietet, ist es trotzdem in den meisten Fällen noch ein langwieriges und teures Verfahren, bis der Vermieter die Wohnung neu vermieten kann. Es stehen dem Vermieter verschiedene rechtliche Mittel zur Verfügung, um gegen einen Mietnomaden vorzugehen. Der einfachste Rechtsweg ist dabei der Urkundenprozess. Um die hohen Kosten, die dem Mietausfall, den Gerichtskosten und der Räumung und Sanierung der Immobilie geschuldet sind, nicht allein tragen zu müssen, kann der Vermieter eine Mietausfallversicherung abschließen. Diese stellt sich in der Praxis jedoch oft als unzureichend heraus, da sie zu geringe Summen abdeckt und nur für einen Teil des Schadens aufkommt. Sinnvoller ist es, eine Rechtschutzversicherung abzuschließen, die die Anwaltskosten, die Gerichtskosten und die Kosten für Zeugen und Sachverständige übernimmt.

 

Damit es erst gar nicht soweit kommt, sollten Vermieter bei der Auswahl ihrer Mieter sehr sorgfältig vorgehen und sich keinesfalls ausschließlich auf ihre Menschenkenntnis verlassen. Ein guter Mietvertrag, ein Bonitätscheck, das Verlangen einer Kaution und die Mitgliedschaft in der Mieterschutzkartei sind gute Vorsichtsmaßnahmen, um sich vor betrügerischen Mietnomaden zu schützen.

 

Sollte ein Vermieter dennoch an einen Mietnomaden geraten, darf er nie Selbstjustiz verüben. Das Abstellen von Strom und Wasser oder das Austauschen der Wohnungsschlösser ist genauso illegal, wie eine nicht genehmigte Räumung der Wohnung.

 

 

 

Quellenangaben:

www.hausundgrund.de/index.html

https://www.schufa.de/de/

www.aktuelle-bauzinsen.info/mietvertrag-generator/

wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mietnomaden.html

dejure.org/gesetze/ZPO/283a.html

www.welt.de/finanzen/immobilien/article115790257/Mietnomaden-droht-ab-sofort-der-schnelle-Rauswurf.html

www.daserste.de/information/ratgeber-service/recht/sendung/swr/kurzer-prozess-fuer-mietnomaden-100.html

www.finanztip.de/recht/mietrecht/mietnomaden.htm

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