Sanierung oder Zerschlagung

Die Vorteile der gerichtlichen Abwicklung  liegen in den rechtlichen und wirtschaftlichen Instrumenten, die dem Insolvenzverwalter zur Seite gestellt werden:

 

  • Im eröffneten Verfahren sind Zwangsvollstreckungen der Gläubiger gemäß §§ 89, 90 InsO unzulässig.
  • Im vorläufigen Insolvenzverfahren besteht die Möglichkeit der einstweiligen Einstellung und Untersagung von noch laufenden oder bereits begonnenen Vollstreckungen nach § 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO.
    Der sinn dieser Regelung ist, dass das Schuldnervermögen nicht vorzeitig zerschlagen und eine Sanierung nicht vereitelt wird. 
  • Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens besteht in der Regel kein Anspruch der Gläubiger auf Aussonderung ihrer Vermögensgegenstände, es sei denn, es handelt sich um verderbliche Ware, oder sonstige zwingende Gründe für eine vorzeitige Freigabe liegen vor.

  

  • Absonderungsberechtigte Gläubiger  haben kein Verwertungsrecht, solange sich der Gegenstand unter der Verwaltung des Insolvenzverwalters befindet. Daher können z.B. Halbfertigprodukte weiter für die Produktion eingesetzt werden. Rechte dieser gesicherten Gläubiger können zugunsten der Fortführung des Unternehmens eingeschränkt werden.

   

  • Die Rückschlagsperre des § 88 InsO verschafft dem Schuldnerunternehmen erhebliche Liquidität, da Zwangsvollstreckungen der letzten vier Wochen vor Antragsstellung unwirksam sind.

   

  • Die Liquidität des Unternehmens wird durch den bei Verfahrenseröffnung eintretenden Zahlungs- und Zinsstopp noch erhöht.

   

  • Der Insolvenzverwalter kann sich von lästigen oder nachteiligen vertraglichen Bindungen  gemäß §§103 InsO ff. leichter lösen.  Damit erhält das Unternehmen neuen Handlungsspielraum.

  

  • Wurde im vorläufigen Verfahren ein schwacher vorläufiger Verwalter mit Zustimmungsvorbehalt bestellt, ist bei Betriebsfortführung keine Umsatzsteuer zu zahlen. Denn die in dieser Zeit begründete Umsatzsteuer ist im eröffneten Verfahren eine Insolvenzforderung.

   

  • Die Gehaltszahlungen einschließlich aller Gesamtsozialversicherungsbeiträge, werden für 3 Monate  durch das von der Arbeitsagentur ausgezahlte  Insolvenzgeld ersetzt

 

Betrachtet man diese Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten, die nur im "Ausnahmezustand" des Insolvenzverfahrens möglich sind, so kann man  das Potenzial an Möglichkeiten zur Sanierung und Neuausrichtung im Insolvenzverfahren erkennen.

 

Sie wollen eine aktive Rolle bei der Sanierung Ihres Unternehmens übernehmen. Auch dies Ist in der Insolvenzordnung vorgesehen.

Lesen Sie mehr zur Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren.

   

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