Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz

Teil 7: 

Privates, ein Fazit und Ratschläge für insolvenz-bedrohte Unternehmer

 

Privates 

Ich musste mich „nebenbei“ auch um Forderungen gegen mich persönlich kümmern. Insbesondere das Finanzamt war der Meinung, mich für nicht gezahlte Lohnsteuern haftbar machen zu müssen. In der Tat ist das ein Problem: Wenn man die Löhne auszahlt, aber die Steuern und Sozialversicherung nicht abführt, ist man als Geschäftsführer bzw. Vorstand schnell in der Privathaftung.
Hier mussten Anwälte eingeschaltet werden, denn das Finanzamt geht mit aller Härte vor. Ein jahrelanger Prozess ist zu erwarten. So ganz ist das Thema „Insolvenz“ also auch nach dem Ende der Planinsolvenz noch nicht ad acta zu legen.

 

Die Privatinsolvenz droht aber nicht. Mit einem gewissen Restvermögen und vor allem einem sicheren Job ist eine gute Zukunftsperspektive vorhanden. Ein erheblicher Teil der Verluste ist steuerlich anerkennungsfähig und wird die Steuerlast  zukünftig senken. Insofern haben sich die Mühen und Sorgen durchaus gelohnt.

 

 

Ein Fazit 


Voraussetzungen:

 

-       Das Kerngeschäft muss gesund sein, ist ggf. nur durch drückende Altlasten (Kredite, Verträge etc.) belastet

-       Wichtige Maschinen und Anlagen dürfen nicht geleast sein (andere Finanzierungen sind unproblematischer)

-       Die Löhne sollten bezahlt sein, da sonst kein Finanzierungseffekt durch Insolvenz-Ausfallgeld entsteht

-       Es sollte eine gewisse Menge an freier Liquidität oder zumindest kurzfristig absetzbarer Ware vorliegen

-       Die Hauptgläubiger sollten nicht bösgläubig sein, da sonst der Plan evtl. nicht genehmigt wird

-       Der Unternehmer  muss nervenstark sein, da enorme Belastungen drohen

 

Risiken: 

-       Der vorläufige Insolvenzverwalter könnte ein Planverfahren ablehnen

-       Banken, Kunden und Lieferanten könnten sich sperren

-       Fehlende Liquidität könnte das Verfahren gefährden

-       Das Geschäft im Insolvenzzustand ist schwierig, Verluste drohen

-       Ein nachhaltiger Imageverlust könnte entstehen

-       Das rechtzeitige Finden eines Investors ist fraglich

-       Eine Einigung  mit Gläubigern im Privatbereich ist nicht sichergestellt

 

 

 

Vorteile 

-       Es gibt eine echte Zukunftsperspektive für den Unternehmer

-       Eine weitgehende Entschuldung des Unternehmens ist möglich

-       Altlasten aller Art können abgebaut werden

-       Der Imageschaden ist nicht so gravierend wie bei einer Regelinsolvenz

-       In der Vorinsolvenzphase (2 bis 3 Monate) kann Kapital aufgebaut werden, da kaum zahlungswirksame Kosten anfallen, aber weiter Umsatz gemacht werden kann

-       Das Unternehmen wird für Investoren deutlich attraktiver

 

Nachteile 

-       Eine teure Beratung ist zwingend erforderlich

-       Es entsteht ein enormer Buchhaltungsaufwand

-       Die Abgabe von erheblichen Anteilen ist unausweichlich

-       Die Zusammenarbeit mit Insolvenz- bzw. Sachwalter ist oftmals schwierig

-       Das Planverfahren ist bei Verhandlungspartnern oft unbekannt

 

 

Meine Empfehlungen an betroffene Unternehmer:

 

 

 

 

  • Beurteilen Sie, ob Ihr Unternehmen auch ohne ein Investment aufgrund von sicheren Gewinnen wieder lebensfähig wäre, wenn die Altlasten entfallen würden. In diesen Fall könnte ein Verfahren schnell beendet werden. 

 

  •  Ist das nicht der Fall, so starten Sie die Suche nach Investoren so früh wie möglich, möglichst schon vor Antragsstellung.  

 

  • Mit einem Investor geht das Verfahren schnell und kann kaum „torpediert“ werden. 

 

  • Versuchen Sie, vor einer Insolvenzanmeldung normale Vergleiche mit Ihren Gläubigern zu vereinbaren. Das ist risikoärmer und Sie sparen Kosten. Ggf. sollten Sie hier einen Berater hinzuziehen oder dem Investor die Verhandlungen überlassen.  

 

  • Prüfen Sie die Eignung Ihres Unternehmens für ein Planverfahren genau.   

 

  • Reden Sie mit mehreren möglichen Insolvenzberatern, achten Sie bei der Auswahl auch auf die persönliche „Chemie“. Sie müssen mit dem Berater später sehr eng zusammenarbeiten.   

 

  • Verhandeln Sie hart mit Ihrem zukünftigen Berater. Begrenzen Sie die monatlichen Kosten  und vereinbaren Sie einen „Deckelbetrag“ für den Fall eines langen Verfahrens.  

 

  • Binden Sie Ihren Steuerberater  zur Geltendmachung von privaten Verlusten ein.  

 

  • Gehen Sie offen mit dem Thema um, es gibt keinen Grund, sich zu schämen! 

 

 

 

 

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