Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz

Teil 6: "Land in Sicht" und Bürokratie-Probleme

 

 

Die Unterschrift – „Land in Sicht“ 

Am Ende lag jedoch ein von allen Seiten als unterschriftsreif angesehener Vertrag vor, der dann auch unterzeichnet wurde. Hunderte von Seiten mussten allseits „paraphiert“ werden, die Unterschriftskonferenz dauerte einen ganzen Tag. Am nächsten Tag wurde der Insolvenzplan beim Amtsgericht vorgelegt, man hoffte auf einen Termin zur Gläubigerabstimmung schon drei Wochen später.

 

Abermals hatte man sich zu früh gefreut! Verzögerungen aufgrund von Krankheit und Überlastungen beim Insolvenzgericht führten zu einem Termin drei Monate nach der Vorlage des Vertrages bei Gericht. Drei weitere Monate in der Insolvenz, mit allen Kosten und Problemen – und vor allem ohne das Geld des Investors. Dieser würde erst dann bezahlen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind. Und die Rechtskraft des Insolvenzplanes zählt immer zu diesen Bedingungen. 

 

 

Was sagen die Gläubiger? 

Die Gläubigerabstimmung in den Räumen des Insolvenzgerichts verlief wenig spannend. Nur eine Handvoll Gläubiger waren überhaupt erschienen, allen voran die Banken natürlich. Viele Gläubiger hatten im Vorfeld Vollmachten zur Zustimmung erteilt. Das Ergebnis war eindeutig: 100% Zustimmung – der Idealfall.

 

Nun kam die Hoffnung auf, dass der Plan gerichtlich kurzfristig bestätigt werden würde – ein Trugschluss. Denn es fehlten noch Bescheide seitens des Finanzamts und der Gemeinden. Es ging – wie so oft – um die liebe Steuer.

 

Denn letztlich ist ein Insolvenzplan ein riesiges Geschenk der Gläubiger an das notleidende Unternehmen – man verzichtet auf alle Forderungen im Austausch auf eine kleine „Quote“, in der Regel weniger als 10%.

 

Das führt zu einem sehr hohen Bilanzgewinn im Jahr der Sanierung, dem so genannten „Sanierungsgewinn“. Im vorliegenden Fall handelte es sich um beinahe 10 Millionen Euro. Dieser Gewinn ist grundsätzlich steuerpflichtig – ca. 25% der Summe würden als Steuer abgeführt werden müssen. Nur leider hat der Sanierungsgewinn keine Liquiditätswirkung und kann in der Regel nicht bezahlt werden.

 

Natürlich hatte das Unternehmen aus den Verlusten der Vergangenheit einen hohen Verlustvortrag – dieser darf aber normalerweise nur bis zur Grenze von 1 Mio. Euro mit den neuen Gewinnen verrechnet werden, es bleibt die so genannte „Mindestbesteuerung“.

 

Allerdings hat die Finanzkrise hier zu einer Erleichterung geführt. Wenn ein Unternehmen saniert wird, es also nach der Sanierung immer noch in der selben Branche tätig ist, das Personal nicht ausgewechselt wird und die Einlage nicht schnell wieder herausgezogen wird, dann sagt der Gesetzgeber: Keine Mindestbesteuerung, der Verlustvortrag darf voll verrechnet werden, und wenn danach noch etwas Verlust übrig bleibt, dann kann man diesen Rest sogar noch mit in die Zukunft nehmen. (Allerdings zeichnet sich hier durch EU-Vorgaben eine Änderung ab, betroffene Unternehmer sollten sich ggf. kundig machen, wie die Regelungen aktuell aussehen.)

 

Nur muss das ganze verbindlich bestätigt werden, und zwar vom Finanzamt und von den betroffenen Gemeinden, Und das kann dauern, kostet übrigens auch vierstellige Gebühren. Erst wenn alle Bescheide vorliegen, kann das Gericht den Insolvenzplan bestätigen. Also hieß es warten – wieder einmal.

 

 

Die Bürokraten machen Probleme 

Am Ende wollte die mit dem Fall betraute Rechtspflegerin die vorgelegten Bescheide nicht anerkennen. Warum nicht – dass bleibt bis heute unverständlich. Auf dem Wege der Beschwerde hat dann aber der übergeordnete Richter am Landgericht den Insolvenzplan doch noch bestätigt – die hohen Kosten der unnötigerweise 5 Monate länger als geplant anhaltenden Insolvenz trugen die Gläubiger, die Massequote sank beträchtlich.

 

Nach der Auszahlung der Quote (18 Monate nach Antragstellung) war die Insolvenz für die Lieferanten und Kunden kein großes Thema mehr, lediglich die Auskunfteien und Leasingbanken störten sich an der formell nicht beendeten Insolvenz. Hier konnte meist eine Lösung gefunden werden.

 

Bürokratische Verzögerungen, vor allem Abstimmungen zwischen Gericht und Sachwalter über die Kostenberechnungen, verzögerten die ersehnte Beendigung erheblich. 

 

Dennoch konnte das Verfahren nach 27 Monaten endlich beendet werden, das Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr insolvent. Die meisten (aber nicht alle) Arbeitsplätze konnten zunächst erhalten bleiben. Natürlich muss nun auch der Weg zurück in die Profitabilität gefunden werden – sonst droht weiterer Abbau.

 

........................................................................................................................................................

Teil 7: Privates, ein Fazit und Ratschläge für insolvenzbedrohte Unternehmer

 

Informationen zur Insolvenz in Eigenverwaltung

alle Insolvenz & Sanierungs- Themen im Überblick