Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz

Teil 5:

Bedrohung und Investorensuche

 

 

Die „Insolvenz in der Insolvenz“ droht 

Jetzt wurde es eng. Ohne einen Investor war der Insolvenzplan nicht zu finanzieren, es braucht eine Investition, um die Verfahrenskosten zu bezahlen und den Gläubigern wenigstens eine kleine Quote auf ihre Forderungen anbieten zu können. Der Umgangston mit dem Berater und dem Sachwalter wurde nochmals deutlich rauer, ein Abbruch des Planverfahrens rückte bedrohlich näher. Der Abbruch wäre einer Insolvenz in der Insolvenz gleichgekommen, was eine Schließung des Unternehmens bedeutet hätte und natürlich auch den Ruin des Unternehmers.

 

Zwar konnte die Hausbank dank gutem Zureden des Beraters, der inzwischen in den Vorstand des Unternehmens eingetreten war, zur Einräumung eines kleinen Massekredites bewegt werden, was für ein wenig Luft sorgte – aber dennoch wurde die Zeit knapp.

 

 

Endlich: Ein ernsthafter Investor! 

Nun kam der Zufall zu Hilfe: Einer der Finanzinvestoren, der allerdings selbst nicht investieren wollte, stellte einen Kontakt zu einem strategischen Investor her, ein Unternehmen aus derselben Branche und mit einer Know-How-Lücke exakt in dem Bereich, den das insolvente Unternehmen zu bieten hatte.

 

Erste Treffen verliefen fast schon zu gut, um wahr zu sein – es zeichneten sich viele Synergien und Potentiale ab. Die Hoffnung auf einen baldigen Abschluss stieg. Aber es sollte noch beinahe fünf Monate dauern, bis die ersehnten Unterschriften erfolgen konnten. Eine Zeit, die an den Nerven aller Mitarbeiter zehrte und auch dem Unternehmer zusetzte.

 

Denn der strategische Investor war enorm vorsichtig und gründlich, schon aufgrund der strengen rechtlichen Vorschriften, die sich aus der Börsennotierung des Investors ergaben. Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte nahmen das Unternehmen unter die Lupe, viele Wochen anstrengender Prüfungen mussten durchlaufen werden.

 

Und immer wieder Entscheidungen! Alle Mitarbeiter und ich mussten ständig bangen, ob es nicht doch zu einem Abbruch kommen würde. Währenddessen wurde die wirtschaftliche Lage immer schwieriger. Ein „Nein“ des Investors hätte die Schließung des Unternehmens bedeutet.

 

Der Investor hätte ganz klar einen so genannten „Asset Deal“ bevorzugt, weil dies natürlich alle Risiken ausgeschlossen und nur einen einfachen Kaufvertrag erfordert hätte. Hinter dem Begriff „Asset Deal“ steht schlicht und einfach die Regelinsolvenz, also der Tod des Unternehmens mit anschließendem Verkauf aller Vermögensgegenstände an den Investor. Das Planverfahren ist wesentlich komplexer, und trotz weitgehender Befreiung von den Altlasten bleiben immer noch einige Risiken aus der Vergangenheit übrig.
Allerdings würde ein Abbruch des Planverfahrens dem Unternehmen weiteren Imageschaden zufügen, was zu einem nochmaligen Umsatzrückgang geführt hätte. Und der Unternehmer, der eine Schlüsselfunktion im Unternehmen ausfüllt, wäre dann in die Privatinsolvenz gegangen, hätte dem Investor zukünftig nicht zur Verfügung gestanden. Die Mitarbeit des Unternehmers war dem Investor allerdings wichtig, was zu einer Fortsetzung der Verhandlungen führte.

 

Nun begann die Phase der Verhandlungen. Die Höhe der nötigen Investition stand fest, hier gab es nichts zu rütteln, ein einziger Euro weniger hätte nicht ausgereicht. Aber die Höhe der Quote wurde deutlich reduziert, die Banken wurden zu weiteren, enormen Zugeständnissen gebracht, das Unternehmen musste drastischen Veränderungen für die Zukunft zustimmen und letztlich wurden auch die Zahlungen an die Berater und Verwalter gestutzt. Der Investor hat seine Alleinstellung konsequent ausgenutzt, was man kaufmännisch anerkennen muss. Allerdings führte das auch zu weiteren Verzögerungen.

 

 

Lösung der Privatsituation 

Positiv war, dass der Investor auch meine Privatsituation mit verhandelt hat. Die Banken waren letztlich bereit, den Unternehmer gegen Zahlung eines Bruchteils der Bürgschaftssumme aus den Haftungen zu entlassen. Diese Summe konnte durch die Steuerrückerstattungen abgedeckt werden, denn die kostenlose Übertragung der Anteile an den Insolvenzfachmann war ein steuerlicher Verlust und dieser konnte sogar ein Jahr zurück getragen werden. Sämtliche Steuern aus zwei Jahren flossen so zurück an den Unternehmer, der sich auf diese Weise weitgehend entschulden konnte.

 

Der Investor entschied sich am Ende für eine Investition in das Planverfahren, ein Happy End schien in Sicht! Zu früh gefreut, den nun kamen die Anwälte auf den Plan, um den Kaufvertrag zu texten. Die Versionen wurden etliche Male ausgetauscht, bis eine Lesbarkeit aufgrund der „Änderungsverfolgung“ fast nicht mehr vorhanden war. Auch die „Anlagen“ zum Vertrag waren äußerst umfangreich, die Zusammenstellung war zeit- und arbeitsintensiv.  

 

 

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das Insolvenzplanerfahren