Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz

Teil 4:
Unerwartete Belastungen und die erste Gläubigerversammlung

 

 

Unerwartete Belastungen 

Und so kam eine weitere unerwartete Belastung auf das Unternehmen zu. Die Anforderungen an eine laufende interne Unternehmensplanung waren immens hoch, erheblich höher als in „Friedenszeiten“. Grund dafür waren die persönlichen Haftungen des Eigenverwalters (der Berater) und des Sachwalters, die sich natürlich entsprechend absichern wollten. Bestellungen etc. durften nur dann ausgelöst werden, wenn die Bezahlung der Ware absolut gesichert erschien. Nur eine tagesgenaue Planung mit Liquiditätsprognose und Übersichten aller Forderungen und Verbindlichkeiten konnte diese Anforderung erfüllen. Ein echter Kraftakt, welcher den Buchhaltungsleiter vollständig in Anspruch nahm. Es war erforderlich, weiteres Personal für die Buchhaltung einzustellen, fast schon bizarr im Rahmen einer Sanierung. Aber ohne diesen Schritt wäre das Unternehmen nicht mehr handlungsfähig gewesen.

 

 

Die erste Gläubigerversammlung

Ein paar Wochen nach der Insolvenzeröffnung fand die erste Gläubigerversammlung statt. Man stimmte der Eigenverwaltung zu, eine weitere Hürde war genommen.

 

Nun begann die Suche nach den Investoren. Von den Heerscharen investitionswilliger Finanziers war allerdings keine Rede mehr, nur zwei Interessenten konnten gefunden werden. Inzwischen war die Finanzkrise über die Welt hereingebrochen, und die Finanziers hatten selbst kaum noch Geld.

 

Wenn die Unternehmenszahlen jetzt rosig gewesen wären, hätte sicher einer der Investoren trotz der Krise zugeschlagen. Aber es war schwierig, im Insolvenzzustand Aufträge hereinzuholen, denn die Kunden fürchteten den Verlust der Gewährleistung. Und die Lieferanten ließen sich das Zusatzrisiko bezahlen, hohe Einkaufspreise drückten die Marge.

 

Zwar hatte man im Insolvenzverfahren Sonderkündigungsmöglichkeiten, konnte sich also von ungünstigen Verträgen befreien. Günstigere Mieten, weniger PKW-Leasingverträge und preiswertere Versicherungen entlasteten das Unternehmen. Aber der wichtigste Kostenblock, die Personalaufwendungen, waren von den Sonderkündigungsrechten nur zum kleinen Teil betroffen – was bedeutete, dass man Personal nur mit den üblichen Abfindungen und langen Kündigungsfristen entlassen konnte. Und die Beraterkosten schlugen Monat für Monat zu Buche.

 

Eine weitere Überraschung: Das vom Berater vollmundig versprochene „Rundum Sorglos Paket“ gab es nicht. Stattdessen mussten zwei weitere, externe Unternehmen (aus dem Umfeld des Beraters) mandatiert werden, um die erforderlichen, zusätzlichen Jahresabschlüsse (Stichtag: Insolvenzeröffnung) und das komplizierte Zahlenwerk im Rahmen des Insolvenzplans erstellen zu können. Uneingeplante Kosten, die weh taten.

 

Und einige der fähigsten Mitarbeiter fanden andere, sicherere Jobs, was die Situation verschlechterte. Das bekamen auch viele Geschäftspartner mit, was zu Verunsicherungen führte – frei nach dem Motto „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“.

 

Kurz: Das Unternehmen machte Verluste, wenn auch nicht in katastrophaler Höhe. Aber die Finanzinvestoren verloren das Interesse.

 

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lesen Sie Teil 5: Bedrohung und Investorensuche

 

Insolvenz: Sanierung oder Zerschlagung ?

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