"Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz""

Teil 3: Hilfe durch den Staat und Insolvenzeröffnung

 

 

Die Gehälter zahlt erst mal der Staat

 

Hier allerdings half das Insolvenzrecht. Von der Antragstellung bis zur Eröffnung des Verfahrens vergingen zweieinhalb Monate. In diesem Zeitraum, der vom vorläufigen Insolvenzverwalter zur Erstellung seines Gutachtens genutzt wurde, fielen kaum Zahlungen an. Die Löhne wurden tatsächlich vom Staat bezahlt, wenn auch mit einer Vorfinanzierung durch eine spezialisierte Bank. Obwohl keinerlei „alte“ Rechnungen und keine Leasingraten etc. bezahlt wurden, durfte kein Gerichtsvollzieher zur Pfändung kommen. Das Wort „Gläubigerschutz“ trifft wirklich zu, man ist in einem sicheren Hafen.

 

Lediglich geleaste Gegenstände konnten vom Leasinggeber abgeholt werden, hier musste  eine Einigung gefunden werden. Auch Dienste wie Telefon, Internet und auch Speditionen und Paketdienste stellten die Leistungen oft kurzfristig ein, konnten aber schnell wieder besänftigt werden. Hier ergaben sich weniger Probleme als zuvor erwartet.

Ohne drückende Kosten wie Löhne, Zinsen und Mieten war es daher nicht so schlimm, dass es Wochen brauchte, bis Lieferanten wieder lieferten und Kunden wieder kauften. Es konnte ja nichts passieren. Das Unternehmen konnte sich sogar ein kleines Finanzpolster anlegen.

 

Für mich änderte sich wenig: Ich saß weiter am selben Schreibtisch und tat dieselben Dinge wie zuvor. Natürlich erzeugte das Verfahren zusätzliche Arbeit, aber der vorläufige Insolvenzverwalter war an der Führung des Tagesgeschäftes nicht interessiert, kümmerte sich nur um die Insolvenzangelegenheiten.

 

Aufgrund des ordentlichen Bestelleinganges fiel das Gutachten des vorläufigen Insolvenzverwalters positiv aus, er empfahl die Eröffnung des Verfahrens, und zwar als Planverfahren in Eigenverwaltung. 

Das Gericht folgte diesem Gutachten, und das Verfahren wurde eröffnet.

 

 

Ein wichtiger Schritt: Die Insolvenzeröffnung 

Nun begann eine ganz neue Phase: Das Unternehmen wurde gewissermaßen wiedergeboren. Alle Schulden aus der früheren Phase spielten keine echte Rolle mehr, waren nur noch gedankliche Posten. Neue Verbindlichkeiten dagegen mussten wieder voll bezahlt werden, ebenso wie die Löhne und die Steuern. Sogar eine neue Steuernummer gab es!

 

Ich wurde jetzt zum Eigenverwalter, mit allen Rechten Pflichten eines Insolvenzverwalters. Das ist natürlich ein schwieriges Gebiet und ohne Erfahrungen eigentlich nicht zu bewältigen. Hier kommt nun der Berater ins Spiel, dieser tritt zusätzlich in die Geschäftsführung des Unternehmens ein und regelt alle insolvenzrechtlichen Angelegenheiten. Ohne den Berater hätte das Gericht der Eigenverwaltung sicher nicht zugestimmt, es war schlicht und einfach notwendig, einen solchen Berater zu engagieren. Dessen Rechnungen kamen allerdings monatlich und waren „gesalzen“. Auch die Tonlage änderte sich, jetzt war der Berater nicht mehr im „Verkäufermodus“, sondern stellte sich als durchaus dominant auftretender, bisweilen zynischer Mensch dar. Allerdings beschränkte sich seine Anwesenheit im Unternehmen auf einen Tag in der Woche, höchstens. 

 

Und den „vorläufigen Insolvenzverwalter“ wurde man durch die Eigenverwaltung nicht los, ganz im Gegenteil. Er wechselte nur die Bezeichnung und wurde nun zum „Sachwalter der Gläubiger“. Ohne seine Zustimmung und sein Wohlwollen ging nach wie vor nichts, die Zahlungsströme liefen über sein Treuhandkonto, und eine ständige Berichterstattung wurde erforderlich.

 

 

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weiter zu Teil 4: Unerwartete Belastungen und erste Gläubigerversammlung

 

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