Ich führte meine Firma selbst durch die Insolvenz

Teil 2: Insolvenzantrag und Probleme

 

 

Die Insolvenzanmeldung 

Kurz vor Weihnachten 2008 kam es dann zur bittersten Stunde: Der Gang zum Insolvenzgericht, stilecht im schwarzen Anzug und Krawatte.

Aber mit Hoffnung im Herzen: Der Insolvenzfachmann war immerhin auch dabei, im Gepäck einen ersten Entwurfs des Insolvenzplans. Der Antrag lautete denn auch auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mit Insolvenzplan, und in Eigenverwaltung. So begann eine 18monatige Odyssee durch die Wirren eines Verfahrens, welches in Deutschland noch immer kaum jemand kennt.

 

Mit einigen Problemen hatte ich gerechnet, mit anderen aber eben nicht. Und es waren die unerwarteten Probleme, die das Projekt dann beinahe gleich mehrfach gekippt hätten.

 

 

Probleme! 

Als erstes stellte sich heraus, dass der Insolvenzexperte ein reiner Berater ist, der den gerichtlich eingesetzten „vorläufigen“ Insolvenzverwalter nicht ersetzt. Die Gerichte führen feste „Listen“ mit den dort akkreditierten Insolvenzverwaltern, was bedeutet: einige wenige Verwalter bekommen nach Gutdünken der Rechtspfleger die Fälle zugeteilt. Der Antragsteller darf artig einen Wunsch äußern, aber einen Anspruch hat er nicht.

 

 

Der vorläufige Insolvenzverwalter ist da! 

Und am nächsten Tag erschien der „vorläufige Insolvenzverwalter“ denn auch, gleich mit einer drei Mann starken Delegation. Das Gespräch verlief erfreulich, der Verwalter deutete an, „mitspielen“ zu wollen. Wie sich später herausstellte, war das ein echter Glücksfall, denn viele Insolvenzverwalter wollen keine Planverfahren und haben etliche Möglichkeiten, ein solches Verfahren zu kippen.

 

 

Betriebsversammlung und Krisenkommunikation

Die anschließende Betriebsversammlung verlief ruhig, wenn auch in gedrückter Stimmung. Alle Löhne waren bis zu diesem Zeitpunkt bezahlt worden, es gab also keine „verhärmten Gesichter“ wie bei anderen Insolvenzen, von denen der Verwalter berichtete. 

Dann mussten die Lieferanten und Kunden informiert werden. Hier wurde entschieden, lieber selber mit Pressemeldungen zu arbeiten als Gerüchte zu riskieren. Dies war absolut die richtige Entscheidung. Geschickt formuliert hörte sich das für viele Endverbraucher wie eine langweilige, normale Finanztransaktion an und nicht wie eine Pleite.

 

 

Probleme mit den Lieferanten

Ein großes Problem, mit dem ich allerdings gerechnet hatte, waren die Lieferanten. Denn diese würden auf ihren offenen Rechnungen sitzen bleiben – trotzdem sollten sie natürlich weiter liefern. Nicht ganz einfach zu vermitteln, und es dauerte dann auch einige Wochen und Monate, bis der Warenzulauf wieder einigermaßen funktionierte - wenn auch zu schlechten Konditionen und oft mit Vorkasse.

 

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die wichtigsten Fragen und Antworten zu Insolvenz & Sanierung

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