Ich führte mein Unternehmen durch die Insolvenz

 

Dies ist die authentische Geschichte eines Unternehmers. Er berichtet, wie er sein Unternehmen durch eine Insolvenz in Eigenverantwortung führte. 

Auf Wunsch des Unternehmers veröffentlichen wir keine Namen.  

 

 

Teil 1: Krise und ein Ausweg?

 

 

Die Krise des Unternehmens 

Es war die Entwicklung einer neuen Produktsparte, die das einst so profitable Hightech-Unternehmen in Bedrängnis brachte. Zwar war nach 4jähriger Entwicklungszeit ein tolles Produkt entstanden, aber es fehlte an den nötigen Geldmitteln für eine Werbekampagne. Die Hausbanken hatten zwar die Entwicklungskosten in Millionenhöhe bereitwillig finanziert, aber darüber hinaus wollte man nicht mehr mitgehen. Der Versuch, neues Eigenkapital zu finden, scheiterte letztlich an den Auswirkungen der Finanzkrise. Insbesondere die „Altlasten“, also die Kreditverbindlichkeiten, wollte kein Investor übernehmen.

 

Rettung durch Planinsolvenz in Eigenverwaltung?

Da erinnerte ich mich an einen Vortrag, den ich Jahre zuvor einmal zufällig besucht hatte. Es ging um eine neue Form der Insolvenz, ein Konzept zur Befreiung eines Unternehmens von Altlasten. Im Grunde eine Kopie der US-amerikanischen „Chapter 11 Bankruptcy“, welches zum Beispiel Firmen wie General Motors und  Chrysler gerettet hat.

 

Der Insolvenzfachmann

Ein Gespräch mit dem Rechtsanwalt und Insolvenzfachmann, der den Vortrag seinerzeit gehalten hatte, war schnell arrangiert. Alles hörte sich gut an: Der Staat würde die Gehälter drei Monate lang bezahlen, die Gläubiger würden mit einer kleinen Summe zur Not zwangsweise abgefunden, und die vielen auf solche Fälle spezialisierten Investoren würden auch die privaten Bürgschaften auslösen.

 

Nach der Prozedur würde der Unternehmer immer noch einen schönen Anteil am dann schuldenfreien Unternehmen besitzen, und er hätte natürlich noch seinen gut bezahlten Job. Es gab allerdings auch einen Preis für diese Perspektive: Neben monatlichen Kosten in beträchtlicher Höhe forderte der Fachmann auch einen Anteil von 20% am Aktienpaket des Unternehmers – „als Anreiz“.

 

Eine Konferenz mit der Hausbank führte dann zur Entscheidung. Diese wollte immer noch keine neuen Kredite vergeben, wohl aber den Insolvenzplan unterstützen. Auf diese Weise wollte die Bank die Abschreibung weiterer Kredite, die man dem Unternehmer privat gegeben hatte, vermeiden. Und das schöne, erst 10 Jahre alte Firmengebäude wollte man in den Zeiten der Wirtschaftskrise auch nicht vermarkten müssen. 

.................................................................................................................................................

lesen Sie Teil 2 : Insolvenzanmeldung und Erste Probleme

 

Informationen zur Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren

zurück zur Übersicht

 

 

Bild: Vlado / FreeDigitalPhotos.net