Hintergrundwissen

Notleidende Kredite (Non-Performing-Loans; NPL)
Handlungsoptionen, Motive und Strategiebestimmung aus Sicht der Kreditinstitute

Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass wohl jede Bank über Bestände von notleidenden und leistungsgestörten Krediten verfügt, und zwar unabhängig davon, ob die Sanierung oder Abwicklung von NPL zu den Kernkompetenzen des Instituts gehört oder nicht.

Handlungsoptionen aus Sicht der Kreditinstitute

In-House Work-Out

Bei den meisten Kreditinstituten überwiegt derzeit die Betreuung und Abwicklung von notleidenden Krediten durch ein eigenständiges In-House Work-Out. Hierbei versprechen sich die Kreditinstitute die Chance einer Wiedererlangung der Werthaltigkeit des jeweiligen Kredits nach erfolgreicher Sanierung. Dies erfordert allerdings auf Seiten der Kreditinstitute Kosten, damit die Begleitung der Kreditengagements in angemessener Art und Weise erfolgen kann - auch im Hinblick auf die Mindestanforderungen an das Risikomanagement.

 

Externes Servicing

Möglich ist aber auch, das Servicing – auch teilweise – an einen externen Dienstleister zu vergeben. Teilbereiche sind beispielsweise die Intensivbetreuung, die Problemkreditbearbeitung oder die Sanierungsbegleitung sowie die Abwicklung des Engagements. Durch das Outsourcing dieser Dienstleistungen können unternehmensinterne Ressourcen eingespart bzw. auf ertragsreichere Kreditengagements konzentriert werden. Zudem ergibt sich der Vorteil externes Spezialwissen (z.B. branchenspezifisches Wissen) zu nutzen.

 

Verbriefung / Asset-Backed Securities

Ein besonderer Fall des Forderungsverkaufs ist die Verbriefung notleidender Kreditforderungen durch eine Asset-Backed Securitisation. Zu diesem Zweck wird ein Forderungspool ausgewählt und im Rahmen einer sog. True Sale Securitisation (insolvenzfeste Übertragung von Vermögenswerten) an eine Einzweckgesellschaft (Single Purpose Vehicle) veräußert. Der Geschäftszweck dieser Gesellschaft ist lediglich der Ankauf von notleidenden Kreditforderungen und deren Refinanzierung über Geldmarkt- oder Kapitalmarktpapiere.

Durch eine ABS-Verbriefung kann zwar eine Bilanzentlastung herbeigeführt werden, dennoch ist die Bedeutung dieser Transaktionsform in Deutschland bisher gering. Gründe dafür sind im Wesentlichen der verhältnismäßig hohe organisatorische Aufwand sowie die hohen Platzierungs- und Verwaltungskosten, die eine derartige Verbriefung mit sich bringen.

 

Forderungsverkäufe gewinnen  immer mehr an Bedeutung.

Forderungsverkauf

Der Forderungsverkauf befreit das Kreditinstitut von dem hohen Risiko, welches notleidende Kredite in sich bergen und führt frische liquide Mittel in Höhe des erzielten Preises zu. Durch den Verkauf bzw. den Risikotransfer bereinigt das Kreditinstitut die eigenen Bücher und entledigt sich, vor dem Hintergrund häufig unzureichend gebildeter Wertberichtigungen, der stillen Lasten auf der Aktivseite. Insgesamt können so das Kreditrisiko auf das eigene Rating verbessert und die Refinanzierungskosten tendenziell gesenkt werden.

 

Motive für die Veräußerung von NPLs

Zentraler Beweggrund für den Verkauf notleidendender Kredite ist der Ausschluss weiterer Kreditrisiken (Risk Transfer) und die damit verbundene Bilanzbereinigung. Durch die Reduzierung der zukünftigen Kreditrisiken verbessern die Kreditinstitute zugleich das zukünftige Verbundrating bzw. die Bankenklassifizierung. Die Folge sind günstigere Refinanzierungskonditionen für zukünftige Geschäfte.

 

Die Kosten, die die Kreditinstitute aufgrund der erlittenen Forderungsausfälle zu tragen haben, spielen angesichts des weltweit zunehmenden Rentabilitätsdrucks eine erhebliche Rolle. Bei einer realistischen Nettozinsmarge von 0,91% muss ein Neukreditgeschäft im Volumen von € 11 Mio. erzielt werden, um den Ausfall eines Engagements von € 100.000 zu kompensieren. 

 

Der Markt

Im Rekordjahr 2006 wurden bei deutschen Banken mindestens 21 Transaktionen mit einem Gesamtwert von € 14,4 Milliarden  gehandelt. Insgesamt wurden in den Jahren 2003 bis 2007 Transaktionen im Wert von mindestens € 45 Milliarden getätigt. Nach Expertenmeinungen wird das geschätzte Volumen an notleidenden Krediten i.H.v. ca. € 200 Milliarden dazu führen, dass die Zahl der Transaktionen wieder zunehmen wird.

 

Strategiebestimmung der Kreditinstitute

Wie in so vielen Bereichen gibt es auch beim Umgang mit notleidenden Krediten keine allgemeingültige Strategie für Banken.

Die zentrale strategische Entscheidung  bzgl. des Umgangs mit NPLs ist, ob das Kreditinstitut solche Engagements selber betreuen oder im Rahmen von Portfoliotransaktionen bzw. laufenden Einzelveräußerungen auslagern möchte. Diese Entscheidung ist regelmäßig für jedes einzelne Engagement zu treffen, wobei nicht nur die Art des Kredits und die Werthaltigkeit bzw. Verwertbarkeit der Besicherung, sondern auch der interne Handlingaufwand und die Opportunitäts- und Kapitalkosten ausschlaggebend sein müssen.  Mögliche  Auswirkungen von Forderungsverkäufen auf Kundenbeziehungen müssen ebenso bedacht werden wie die durch einen Verkauf bedingte Veränderung der Risikostruktur des Gesamtportfolios der Bank.

Die Entscheidung der Bank sollte sich jedoch hinsichtlich der Verfahrensweise mit NPL auf einer ökonomischen Betrachtungsweise begründen. Die Bank muss hier ihre Expertise und die strategische Ausrichtung gegen die Risiken, Kosten und Möglichkeiten beim Umgang mit notleidenden Krediten abwägen. Durch die interne Ermittlung des wirtschaftlichen Werts jedes einzelnen Krisen- und Abwicklungsengagements versetzt sich die Bank in die Lage, eine objektive und möglichst emotionslose Entscheidung zwischen Eigensanierung oder Verkauf zu treffen.

 

Fazit: Wie gezeigt begegnen die betroffenen Banken dem Problem notleidender Kreditforderungen auf unterschiedliche Weise.

 

 

von Dipl.-Betriebswirt Jörg Schuppener, Geschäftsführer und Partner und Dipl.-Kaufmann Christian Plückebaum, Consultant,der TMC Turnaround Management Consult GmbH

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Kredithandel

   

   

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