Vom Toilettenpapier zum Wertpapier - Seite 3
Zu der anschließenden Due-Diligence- und Verhandlungsphase wurden zwei Investoren zugelassen. Zum Einen war dies ein strategischer Investor aus Italien, der in mehreren europäischen Ländern schon eine starke Position hatte, in Deutschland aber noch nicht unter den Top 5 war. Andererseits ein auf Turnaround-Situationen spezialisierter Fonds.
Besondere Würdigung fanden die Chancen und Risiken eines Rechtsstreits mit einem Maschinenbauer und Verhandlungen mit den Behörden, die die Rechtmäßigkeit der Subventionen intensiv prüften.
Mit dem strategischen Investor wurden schließlich erste Vertragsentwürfe ausgetauscht und letztendlich eine zehntägige Exklusivitätsperiode vereinbart, die zweimal kurzfristig verlängert wurde. Innerhalb dieses Zeitraums konnten alle Verträge vereinbart und abgeschlossen werden:
- Übertragung der Anteile, die inzwischen wieder rechtsgültig bei den Gesellschaftern waren
- Regelung der Ablösung der Banken im Rahmen eines Framework-Agreements
- Anschließende Einzelverträge der Kreditübertragungen von den beteiligten Banken an den Investor
- Vereinbarung der Ablösung des Mezzanine-Kapitalgebers
Mit dem Abschluss aller Verträge war der Gesamtdeal in trockenen Tüchern und die rettende Lösung gefunden – und dies zweieinhalb Monate nach der Beauftragung.
In diesem Rahmen ist der konstruktive Beitrag der Fremdkapitalseite zu erwähnen. Den beteiligten Instituten war klar, dass alle verlieren, wenn sie nicht kooperativ zusammenarbeiten würden. In vielen, teilweise täglich stattfindenden Telefonkonferenzen wurden alle wichtigen Punkte besprochen. Die Banken vereinbarten mehrmals „Standstill Abreden“, um dem laufenden M&A-Prozess eine Chance zu geben. Innerhalb des Pools diskutierte man jedoch heftig um die Verteilungsquoten. Vereinbart wurden schließlich einzelne Anspruchsklassen, die von der Qualität der Sicherheiten abhängig waren. Rechtlich begleitet und inhaltlich koordiniert wurden die Banken in hervorragender Art und Weise von einer erfahrenen Rechtsanwaltskanzlei.
Wie viele Unternehmen hatte auch Werra einen Teil seines Finanzbedarfs über ein Mezzanine-Programm, hier eine verbriefte Standardkonstruktion, gedeckt. Diese wurde im beleuchteten Fall zum größten Insolvenzrisiko, vor allem weil sie aus Irland heraus über Jersey und die Schweiz refinanziert wurde; dahinter stand eine entsprechend hoch komplexe Entscheidungsstruktur. Mit dem Mezzanine-Kapitalgeber wurden intensive und zähe Verhandlungen geführt, die in letzter Minute noch zu einem Durchbruch kamen.
Der italienische Investor hatte bereits ein Ultimatum gestellt und mit dem Abbruch der Verhandlungen gedroht. Er befürchtete zu Recht, dass sein Akquisitionsobjekt von Tag zu Tag an Kunden und Wert verliert.
Resumée
In weniger als drei Monaten war die Zukunft des traditionsreichen thüringischen Unternehmens gesichert, 400 Arbeitsplätze waren gerettet. Dies war möglich, da ein Investor gefunden werden konnte, der Synergien erzielen konnte und bereit war, einen strategischen Preis zu zahlen. Ein konkurrierendes Konzept hätte aller Voraussicht nach zwischenzeitlich die Insolvenz der Gruppe in Kauf genommen.
Der Käufer, die Sofidel-Gruppe, hat den Standort inzwischen komplett integriert und mittlerweile eine bedeutende Stellung im deutschen Markt erreicht.
zurück | 1 | 2 | 3 | weiter zum Kurzprofil
..................................................................................................................................................................
zurück zur Übersicht "Insolvenz & Sanierung"