Überschuldung - Wege aus der Krise

Laut dem SchuldnerAtlas war im Jahr 2014 etwa 9,9 Prozent der deutschen Bevölkerung überschuldet. Dabei betrug die durchschnittliche individuelle Schuldenhöhe etwa 32.600 Euro; ein Rekordtief seit mehreren Jahren.

 

 

Quelle: statista.com ©

 

 

 

1.         Begriffsdefinition: Verschuldung vs Überschuldung

Im täglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Verschuldung und Überschuldung häufig gleichwertig genutzt. Tatsächlich gibt es zwischen ihnen aber deutliche Unterschiede.

Von einer Verschuldung wird gesprochen, wenn jemand generell Schulden hat, unabhängig vom Zustandekommen oder der Höhe. Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn der Betroffene nicht genügend finanzielle Mittel aufbringen kann, um diese Schulden auch wieder abzutragen; beispielsweise, wenn das Gehalt gerade so die Miete abdeckt und das notwendige Geld für den täglichen Lebensbedarf, sodass nichts übrig bleibt, um die Schulden pünktlich zu tilgen.

Die Schulden steigen dann nahezu unweigerlich weiter an durch Zinsen und Mahngebühren.

 

2.         Wie kommt es zur Überschuldung?

Eine Überschuldung kann aus vielen Gründen zustande kommen. Meist führt sie dazu, dass Betroffene versuchen, die entstandenen Schulden dadurch zu regulieren, dass sie Geld aus anderen notwendigen Bereichen, beispielsweise der Miete, entziehen, was letztlich dazu führt, dass sich dann in eben jenem Bereich weitere Schulden auftun, die ebenfalls nicht beglichen werden können. Ein Teufelskreis beginnt, aus dem die Betroffenen allein nicht mehr herauskommen. Häufig ziehen sich Schuldner aus dem sozialen Leben zurück und werden aufgrund des hohen psychischen Drucks, den die Schulden verursachen, depressiv. Im schlimmsten Fall droht der Verlust der Wohnung oder des Arbeitsplatzes.

 

 

Nicht selten ergibt sich eine Überschuldung nicht bloß aus einem einzigen Grund, sondern aus einer Kombination mehrerer Ursachen.

 

a.     Mithaftung

Ein häufiger Grund für Überschuldung ist der, dass der oder die Betroffene als Bürge für die Schulden eines anderen mit haftbar ist. Meist unterschreiben Eheleute bei Kreditverträgen gemeinsam und sind dann auch gemeinsam für das Abtragen der Schulden verantwortlich. Sind die Schulden durch das Decken des täglichen Bedarfs zustande gekommen oder durch das gemeinschaftliche Anschaffen von Konsumgütern, sind automatisch beide betroffen. Nicht immer ist die Mithaftung allerdings rechtmäßig. Wenn beispielsweise der mit-unterschreibende Partner zum Zeitpunkt der Unterschrift schon bei weitem nicht über den finanziellen Spielraum verfügt, um im Zweifelsfall als Bürge zu fungieren, kann der Abschluss des Vertrages als sittenwidrig gelten.

 

b. Plötzlicher Wegfall von Einkommen

Ein plötzlicher Wegfall von Einkommen kann über viele Wege geschehen; sei es über den Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung vom Partner oder durch die Geburt eines Kindes und der daraus bedingten Arbeitspause. Die Aufrechterhaltung des Lebensstandards ist dann häufig ein Problem, insbesondere, wenn finanzielle Verpflichtungen in Form von Kreditverträgen bestehen, die nun nicht mehr erfüllt werden können.

 

 

c.  Tod des Lebenspartners

Der Tod des Lebenspartners kann nicht nur durch den Wegfall seines Einkommens finanzielle Schwierigkeiten auslösen, auch die Trauer um seinen Verlust kann die Hinterbliebenen handlungsunfähig machen, sodass sie beispielsweise nicht mehr in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzugehen.

Beim Verlust des Partners müssen trauernde Hinterbliebene den Lebensunterhalt plötzlich alleine stemmen.

 

d.     Finanzielle Allgemeinbildung

Ebenfalls ein häufiger Grund für Überschuldung ist eine mangelnde finanzielle Allgemeinbildung. Insbesondere junge Menschen wissen häufig zu wenig über den Umgang mit Verträgen, Banken und Krediten. Dies führt dazu, dass sie ihre finanziellen Möglichkeiten überschätzen und schon früh in problematische finanzielle Verhältnisse rutschen können.

 

e.      Sucht

Die meisten Formen der Sucht können in eine Schuldenspirale führen. Kaufsucht, Drogensucht und Spielsucht sind die prominentesten Beispiele, die in relativ kurzer Zeit hohe Beträge zu ihrer Befriedigung benötigen. Hinzu kommt, dass Betroffene ganz auf ihre Sucht fixiert und häufig schnell nicht mehr in der Lage sind, ihren normalen Tagesablauf beizubehalten und beispielsweise einem Beruf nachzugehen. Um die Sucht zu finanzieren, werden dann finanzielle Mittel verwendet, die für Miete und Lebensmittel notwendig wären, sodass Betroffene gezwungen sind, Geld aus anderen Quellen zu beziehen.

 

Wer süchtig ist, braucht bald immer mehr Geld, um seine Sucht zu finanzieren.

 

f.          Unangemessenes Konsumverhalten

Ein Nebenprodukt der fehlenden finanziellen Allgemeinbildung kann auch ein unangemessenes Konsumverhalten sein. Es wird beispielsweise planlos und zu viel eingekauft, sodass anschließend Lebensmittel verderben und ungenutzt weggeworfen werden müssen. Mit Strom, Gas und Wasser wird dann oft ähnlich verfahren, sodass beispielsweise in ungenutzten Räumen das Licht unnötig brennt oder zu viel geheizt wird.

 

Im Falle einer Überschuldung ist es für Betroffene wichtig zu wissen, welche die üblichen Schritte von Gläubigern sind.

 

a.       Mahnung

Gläubiger verschicken zunächst eine schriftliche Zahlungsaufforderung. Diese sollten Betroffene ernst nehmen und umgehend prüfen, ob die darin gestellten Ansprüche berechtigt sind. Falls die Ansprüche nicht direkt vollständig beglichen werden können, ist eine Kontaktaufnahme mit dem Gläubiger sinnvoll. Häufig lassen sich Ratenzahlungen vereinbaren; allerdings sollten Betroffene hier darauf achten, dass eventuelle Zusatzbelastungen wie Zinsen keine allzu hohen zusätzlichen Kosten verursachen.

Zahlungen, die zu einem vereinbarten Termin nicht vorgenommen wurden, setzen Schuldner automatisch in den Zahlungsverzug. Ohne einen vereinbarten Zahlungstermin müssen Gläubiger zunächst eine Zahlungsaufforderung versenden, bevor Schuldner in Verzug gesetzt werden können.

 

b.         Inkassobüro

Gläubiger nutzen häufig Inkassobüros; private Unternehmen, die im Falle eines Zahlungsverzugs für sie tätig werden und die ausstehenden Beträge einzutreiben versuchen. Die hierdurch entstehenden Kosten können Schuldnern nur dann zur Last gelegt werden, wenn von ihnen erwartet werden konnte, dass sie den Zahlungen an sich auch ohne Gericht hätten nachkommen können.

Wurde dem Gläubiger mitgeteilt, dass die Zahlung nicht geleistet werden kann oder war dies offensichtlich, dann können dem Schuldner die zusätzlichen Kosten nicht angelastet werden. Inkasso-Unternehmen dürfen die Forderungen ihrer Kunden nicht mit Druck durchsetzen, beispielsweise durch permanente Hausbesuche oder ähnliches.


Mahnungen sollten immer ernst genommen werden

 

c.         Mahnbescheid

Wenn Schuldner eine Zahlungsaufforderung ignorieren, können Gläubiger beim zuständigen Amtsgericht einen Mahnbescheid beantragen. Diese Ansprüche des Gläubigers werden darin ungeprüft übernommen; es liegt also am Schuldner, ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls Widerspruch einzulegen.

 

d.         Vollstreckungsbescheid

Wenn kein Widerspruch eingelegt wird, kann das Gericht auf Antrag vom Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid erlassen. Dieser berechtigt das Eintreiben von Schulden mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers oder durch Lohnpfändung und gilt wie ein Gerichtsurteil.

Falls Betroffene unverschuldet der Zahlungsaufforderung nicht nachkommen konnten, beispielsweise durch eine schwere Krankheit, sollten sie unbedingt Widerspruch gegen den Bescheid einlegen und das Unverschulden mit einem Attest nachweisen.

 
 Bei einer Zwangsvollstreckung wird meist auch Erbschmuck mitgenommen

 

e.         Zwangsvollstreckung

Die äußerste Maßnahme, die Gläubiger ergreifen können, ist die Zwangsvollstreckung. Hierfür muss dem Gläubiger ein Vollstreckungstitel vorliegen.

Die Sachpfändung darf nur von Gerichtsvollziehern und Vollzugsbeamten der öffentlichen Verwaltung durchgeführt werden. Schuldner sollten sich im Zweifelsfall den Dienstausweis zeigen lassen. Verweigern Schuldner den Zuständigen den Zutritt in ihre Wohnung, ergeht nach kurzer Zeit eine richterliche Durchsuchungsanordnung. Mit dieser darf die Wohnung mit Hilfe von Polizei und Schlüsseldienst aufgebrochen werden.

Notwendige Gegenstände, dürfen nicht mitgenommen werden, ebenso Gegenstände, die für die Erwerbstätigkeit notwendig sind, wie beispielsweise der PC eines Lehrers oder einer Webdesignerin.

Neben der Sachpfändung gibt es noch andere Arten der Zwangsvollstreckung, die beim Justizportal Nordrhein-Westfalen aufgelistet und ausführlich erklärt werden.

 

 

Ist es erst einmal zu einer Überschuldung gekommen, brauchen Betroffene in der Regel Hilfe, um die Situation zu überwinden.


Viele Schuldner schämen sich und trauen sich daher nicht, sich die notwendige Unterstützung zu suchen; das ist aber völlig unnötig und das Problem frühzeitig kontrolliert anzugehen, kann Betroffenen viel Ärger und Kummer ersparen.

 

a.         Schuldnerberatung

Der erste Gang sollte Schuldner zur Schuldnerberatung führen. Einrichtungen, die eine Schuldenberatung anbieten, gibt es in jedem Bundesland und jeder größeren Stadt. Auch kirchliche Einrichtungen wie Caritas und auch die AWO bieten meist kostenlos Beratungen an.

Beim Umgang mit der Schuldnerberatung ist absolute Ehrlichkeit das Gebot der Stunde. Insbesondere, wenn die eigene Existenz akut gefährdet ist, Konten gesperrt sind oder Wohnungsverlust droht, muss die Beratungsstelle darüber Bescheid wissen, um Schuldnern helfen zu können.

 

b.         Psychotherapeutische Hilfe

Schulden sorgen für einen enormen psychischen Druck. Nicht selten gehen Depressionen damit einher oder der Wegfall von sozialen Bindungen droht. Um diese Krise überwältigen zu können, ist psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.

Falls Suchtprobleme die Ursache der Überschuldung sind, ist eine Psychotherapie umso wichtiger, damit die Problematik überwunden werden kann und nicht eventuell ein paar Jahre später erneut in die Schuldenspirale führt.

Beim psychischen Umgang mit Schulden kann eine Therapie helfen

 

c.         Änderung des Konsumverhaltens

Insbesondere Menschen, die nur einen geringen finanziellen Spielraum haben, geraten in die Schuldenfalle, wenn sie sich außerhalb ihrer Möglichkeiten Wünsche erfüllen. Auch Preissteigerungen, insbesondere, wenn sie Lebenshaltungskosten wie Strom, Miete oder Lebensmittel betreffen, können zu finanziellen Engpässen führen.

Um dem entgegenzuwirken, sollten Betroffene ehrlich und ausführlich alle ihre Einnahmen und Ausgaben auflisten. Bewährt hat sich hierfür ein Haushaltsbuch, in dem alle Geldbewegungen festgehalten werden. So können Schuldner herausfinden, an welchen Posten wie viel Geld ausgegeben wird und ihren Bedarf anpassen.

 

i.          Ausgaben verringern

Zunächst gilt es, die allgemeinen Ausgaben zu verringern. Hier sollten Betroffene insbesondere einen kritischen Blick auf vorhandene Versicherungen werfen und überlegen, welche wirklich notwendig sind oder wo eventuell auf günstigere Tarife umgestiegen werden kann. Auch ein Wechsel des Telefon- und Internettarifs kann monatlich Kosten sparen. Für Handys und Smartphones sollten Prepaid-Tarife genutzt werden, um eine volle Kostenkontrolle zu gewährleisten.

Für den täglichen Bedarf können Einkaufs- und Mahlzeitenpläne erstellt werden. So fällt es leichter, auch nur die Lebensmittel einzukaufen, die tatsächlich gebraucht werden.

Strom- und Energieverbrauch sollten so weit gesenkt werden wie möglich, beispielsweise durch den Einsatz von Energiesparlampen und sinnvolles Heizverhalten.

Miet- und Energiekosten sind die wichtigsten Ausgaben im Monat, die unbedingt getätigt werden müssen, um keinen Rückstand zu erzeugen.

 
Während einer Überschuldung ist es wichtig, ehrlich und gründlich zu kalkulieren

 

ii.         Einnahmen steigern

Schuldner sollten außerdem prüfen, in wie weit sich die Einnahmen steigern lassen, beispielsweise durch die Aufnahme eines Mini-Jobs oder das Beantragen von staatlicher Unterstützung.

 

d.         Übersicht über Schulden verschaffen

Manchmal ist nicht sofort ein Termin für eine persönliche Schuldnerberatung frei. Die Wartezeit können Schuldner aber sinnvoll nutzen, indem sie derweil alle Unterlagen über sämtliche bestehenden Forderungen zusammentragen und sortieren, um sich einen Überblick über alles zu verschaffen und später die Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung zu erleichtern.

Um die Schulden zu regulieren, ist ein durchdachtes und strukturiertes Vorgehen nötig.

 

a.         Umschuldung

Sind Kredite mit hohen Zinsen belastet, ist es sinnvoll, sich über eine mögliche Umschuldung zu informieren. Eine Umschuldung kann im Allgemeinen in zwei Varianten stattfinden, wie sie bei Verivox vorgestellt werden.

i.          Kreditablösung
Die eine Möglichkeit ist das Ablösen eines Kredits mit einem neuen Kredit zu günstigeren Konditionen. In einem solchen Fall wird bei der Beantragung des Kredits „Umschuldung“ als Verwendungszweck angegeben. Eine solche Ablösung hat auch den Vorteil, dass die Bank die Verteilung des Geldes übernimmt, sodass Schuldner nur noch eine Summe bei einem Gläubiger abstottern müssen.

Bei einer Umschuldung wird kein Zweitkredit aufgenommen, was sich positiv auf die Schufa-Bewertung auswirkt.

ii.         Vorzeitige Rückzahlung
Eine vorzeitige Rückzahlung eines Ratenkredits hat meist den Nachteil, dass das betreffende Kreditinstitut eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangt als Ausgleich für die nun ausfallenden Zinsen. Im Gegensatz zur Kreditablösung verteilt der Schuldner bei einer vorzeitigen Rückzahlung selbst auf die Gläubiger, was den Nachteil hat, dass die eigene Bonität sinkt. Eine vorzeitige Rückzahlung lohnt sich nur, wenn die Vorfälligkeitsentschädigung niedriger ausfällt als das Ersparnis durch die Ablösung.

 

b.         Riester-Verträge
Riester-Verträge können auch genutzt werden, um Schulden zu tilgen.

i.          Riester-Rentenverträge
Riester-Rentenverträge sind eigentlich dazu gedacht, zusätzliches Kapital zur Altersvorsorge zu schaffen. Seit 2014 ist es aber auch möglich, das angesparte Guthaben zur Tilgung von Darlehen zu verwenden, die mit Wohneigentum zusammenhängen.

ii.         Wohn-Riester
Wohn-Riesterverträge dürfen nur für die Schaffung von Wohneigentum verwendet werden, können entsprechend also nur eingesetzt werden, um eine Immobilie zu entschulden.

 

c.         Kredite

Grundsätzlich sollte im Schuldenfall gut überlegt werden, ob überhaupt weitere Kredite aufgenommen werden sollen. In einigen Fällen kann es helfen, alle Schulden zu bündeln oder mit einem Kredit eine kurze und absehbare Zeit beispielsweise zwischen zwei Erwerbstätigkeiten zu überbrücken. Ansonsten bergen viele Kredite in einer Schuldensituation hohe Risiken.

 

i.          Schufa
Die Schufa erstellt für ihre Vertragspartner einen Score von 0 bis 100, der besagt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein aufgenommener Kredit auch bedient wird. Je niedriger der Score, desto wahrscheinlicher ist ein Zahlungsausfall. Allerdings kommt es hier immer auch auf die Höhe des angefragten Kredits an sowie auf seinen Zweck. Ohne eine Schufa-Auskunft ist es heutzutage nahezu unmöglich, einen seriösen Kredit zu bekommen.

 

ii.         Baufinanzierungen
Durch die aktuell sehr niedrigen Bauzinsen wird das Kaufen oder Bauen von Immobilien auch für Personen und Familien mit geringem Einkommen attraktiv, denn die Baufinanzierung ermöglicht einen Hausbau auch ohne eigenes Kapital. Kreditnehmer sollten hier aber unbedingt auch die Dauer der Zinsbindung beachten. Steigen diese nämlich beispielsweise nach fünf Jahren an, erhöhen sich die monatlich fälligen Raten.

 

 
Mit Riesterverträgen können Immobilien entschuldet werden

 

 

iii.         Wertpapierkredite

Wer ein Wertpapierdepot besitzt, kann dieses als Sicherheit für einen Kredit nutzen und damit den eigenen Spielraum erweitern. Wertpapiere können in ihrem Wert allerdings stark schwanken, weshalb der Depotwert sinken kann. Die Zinsen für einen solchen Kredit sind meist relativ niedrig, allerdings sollte das Wertlimit nicht ganz ausgeschöpft werden, denn durch unvorhergesehene Kursverluste kann das Limit überschritten werden und hohe Überziehungszinsen auf den Kreditnehmer zukommen. Wertpapierkredite werden in der Regel nur aufgenommen, um weitere Wertpapiere zu kaufen.

 

iv.        Vorfinanzierungen

Bei einer Vorfinanzierung wird dem Beantragenden für eine kürzere Zeitspanne ein Kredit gewährt, wenn die endgültige Finanzierung noch nicht feststeht. Andere Begriffe hierfür sind auch Zwischenkredit oder Überbrückungsfinanzierung. Ein solcher Kredit ist in der Bauwirtschaft üblich, wenn beispielsweise nach dem Bau eines Hauses die Refundierung durch eine Hypothek erfolgt.

 

v.         Ratenkredit

Ratenkredite gehören zu den am häufigsten vergebenen Krediten. Ihre Beträge bewegen sich meist zwischen 1.000 Euro und 75.000 Euro. Bei Ratenkrediten findet die Tilgung zu monatlich gleichbleibenden Beträgen zu einem vorher vereinbarten Zinssatz statt. Die Laufzeit kann sehr unterschiedlich ausfallen. Sie werden nicht nur von Banken gewährt, sondern auch im Einzelhandel oder beim Autokauf.

 

Privatinsolvenz

Wer vollends zahlungsunfähig ist, kann auch eine Privatinsolvenz beantragen. Dieses Verfahren hat zum Ziel, in einem absehbaren Zeitraum die betroffene Person von der Überschuldung zu befreien und gleichzeitig die Ansprüche der Gläubiger so gut wie möglich zu erfüllen. Seit 2010 sinkt die Zahl der Personen, die eine Privatinsolvenz in Anspruch nehmen.

 

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i.          Außergerichtlicher Einigungsversuch
Vor dem Privatinsolvenzverfahren steht grundsätzlich der außergerichtliche Einigungsversuch. Während dieser Phase erbittet der Schuldner von seinen Gläubigern eine aktuelle Forderungsaufstellung. Anhand dieser wird der Schuldenbereinigungsplan erstellt. Alle Gläubiger sind verpflichtet, über die Forderungen und Kosten Auskunft zu geben. Mit diesem Schuldenbereinigungsplan muss der Schuldner sich nun bemühen, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu erreichen. Falls sich beide Parteien einigen, entfällt das Verfahren zur Privatinsolvenz. Andernfalls kann der Schuldner nun beim Insolvenzgericht das Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen.

 

ii.         Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
Bevor das Verfahren eröffnet wird, prüft das zuständige Gericht, ob nicht auch ein gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan zur Entschuldung führen kann. In diesem Fall wird der Schuldenbereinigungsplan allen Gläubigern zur Ansicht geschickt und sie haben vier Wochen Zeit, sich dazu zu äußern. Falls mehr als die Hälfte der Gläubiger sich gegen diesen Plan aussprechen, wird das Verfahren eröffnet.

 

iii.         Vereinfachtes Insolvenzverfahren
Beim vereinfachten Insolvenzverfahren werden alle Vermögenswerte des Schuldners verwertet und nach Abzug der Verfahrenskosten an die Gläubiger verteilt. Ein Treuhänder verwaltet und verwertet das pfändbare Vermögen. In einem Schlusstermin können die Gläubiger sich gegen eine Restschuldbefreiung aussprechen, allerdings muss dies in einem Antrag begründet werden. Andernfalls wird nach der Verteilung allen Vermögens des Schuldners die Restschuldbefreiung ausgesprochen und das Verfahren aufgehoben.

 

 
Mit einer Privatinsolvenz ist ein Schuldner innerhalb weniger Jahre schuldenfrei.

 

 

iv.        Restschuldbefreiungsverfahren und Wohlverhaltensphase

Vom ersten Tag der Privatinsolvenz an muss sich der Schuldner bemühen, die Schulden so weit abzutragen, wie es in seiner Macht steht. Hierzu gehört beispielsweise auch, dass er im Fall der Arbeitslosigkeit jede zumutbare Arbeit annimmt. Falls der Schuldner in dieser Wohlverhaltensphase nicht die notwendigen Bemühungen zeigt, können die Gläubiger beantragen, dass die Restschuldbefreiung versagt wird.

 

v.         Neue Regelungen seit Juli 2014

Bis Juli 2014 verlief eine Privatinsolvenz über höchstens sechs Jahre, dann war der Schuldner schuldenfrei. Nach dem neuen Gesetz ist eine Restschuldbefreiung schon nach drei oder fünf Jahren möglich. Um dies zu erreichen, müssen Schuldner mindestens 35 Prozent der Gläubigerforderungen aufbringen und zusätzlich noch die Kosten für Gericht und Insolvenzverwalter. Weitere Neuerungen finden sich auf dieser Website.

 

Fazit

Der Weg aus der Überschuldung ist meist anstrengend, aber definitiv möglich. Betroffene finden an vielen Stellen Hilfe und Anleitung für die notwendigen Schritte, sobald sie bereit sind, diesen auch nachzukommen.

 

 

 

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