Aufbau und Finanzierung der Schuldnerberatung

Aufbau und Finanzierung der Schuldnerberatung

Schuldnerberatung bedarf zur sozialpädagogischen Grundausbildung einer Vielzahl von juristischen und kaufmännischen Zusatzkenntnissen. Allerdings gibt es derzeit weder eine geregelte Ausbildungsordnung noch ein einheitliches Fortbildungskonzept. 

Auch sind die einzelnen Beratungsstellen personell unterschiedlich ausgestattet. Während z.B. im Flächenstaat Bayern viele kleine 1-oder 2-Personen-Einrichtungen dominieren, gibt es im dicht besiedelten NRW mehrere große Beratungsstellen mit Angeboten zu Prävention, online-Beratung oder Ehrenamtlichen-Einsatz.

 

Die finanzielle Förderung für den Bereich Schuldnerberatung wird über die jeweiligen Kommunen in Form einer Pauschalfinanzierung oder per Einzelfallabrechnung gewährleistet. Für die Finanzierung der Insolvenzberatung hingegen sind die jeweiligen Länderhaushalte zuständig, deren Fördersysteme entsprechend uneinheitlich sind. Die einzelnen Bundesländer legen auch die Voraussetzungen für die Anerkennung einer Insolvenzberatungsstelle fest. Meist wird eine bisherige dreijährige Berufserfahrung vorausgesetzt sowie die Sicherstellung einer juristischen Begleitung. Die Aufgabenstellung der Insolvenzberatungsstellen liegt in der Hilfe bei der Durchführung des außergerichtlichen Einigungsversuches und bei der Antragstellung.

 

Einen wesentlichen Teil der Schuldnerberatung nimmt (unabhängig von der evt. später notwendigen Einleitung eines Insolvenzverfahrens) bereits am Anfang die Budgetanalyse ein, d.h. die monatlichen Einnahmen und Ausgaben des Schuldners werden gegenüber gestellt und der zum Lebensunterhalt verbleibende Teil ermittelt.

 

Ziel dieser Erhebung ist es, erkennen zu können, wie (un)ausgewogen dieser Haushalt ist, welche möglichen Schwachstellen er hat (z.B. unsinnige Versicherungsverhältnisse, hohe Ausgaben für Rauchen, teure „Extras“) und wie es bei dieser Konstellation überhaupt um die Rückzahlungsfähigkeit bestellt ist. 

 

Dem Schuldner, der häufig diverse Kleinstratenzahlungen vereinbart (und dann doch nicht einhalten kann), soll hierbei realistisch aufgezeigt werden, wie es um seine tatsächlichen Möglichkeiten steht. Dies kann im Einzelfall für den Betroffenen ernüchternd, aber auch entlastend sein (z.B. wenn auch ein Außenstehender anerkennt, dass bei Bezug von Alg II i.d.R. keine Kreditraten mehr zurückgeführt werden können und müssen). Wenn keine Rücklagen mehr bestehen (oder durch Nachhaken des Beraters „entdeckt“ werden), Einsparpotentiale bereits ausgeschöpft sind oder keine Einkommenssteigerung durch einen Nebenjob möglich ist, bleibt oft die bittere Erkenntnis, dass ein ständiges „Löcher-Stopfen“ wie bisher nicht weiterhilft.

 

Haben Schuldner langfristig über ihre Verhältnisse gelebt, muss  oft auch prinzipiell die Frage nach der Machbarkeit von Konsumwünschen gestellt werden.

zurück | 1 | 2 | 3 | 4| 5| ...hier bitte weiterblättern

....................................................................................................................................................................