26.11.09 Der schwere Weg von Opel |
Kategorie: Opel, Insolvenzverfahren |
Hamburg (dpa) - Der angeschlagene Autobauer Opel steht nach den Sanierungsplänen von General Motors (GM) vor drastischen Stellenstreichungen.
14. November 2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten ruft
Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat zur Hilfe. Eine
Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen. Nach
Unternehmensangaben geht es um «etwas mehr als eine Milliarde Euro».
17. Februar 2009: Der ums Überleben kämpfende Mutterkonzern
General Motors (GM) will 47 000 Stellen streichen, davon 26 000
außerhalb der USA.
27. Februar: Opel will sich weitgehend von GM abkoppeln. Das von
der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen
Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.
23. April: Fiat will Opel übernehmen. Die Arbeitnehmer sind
dagegen. Ende Mai zieht sich Fiat zurück.
27. Mai: GM kündigt an, sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke
Opel rechtlich abzuspalten.
30. Mai: Bund, Länder, GM, das US-Finanzministerium und der
österreichische Zulieferer Magna einigen sich auf ein
Rettungskonzept. Damit ist der Weg frei für einen Überbrückungskredit
von 1,5 Milliarden Euro an Opel sowie das Treuhand-Modell.
1. Juni: GM reicht in New York einen Antrag auf Insolvenz mit
Gläubigerschutz ein.
10. Juli: GM wird aus der Insolvenz entlassen. Mehrheitlich in
Staatsbesitz soll GM wesentlich verkleinert überleben. Es fließen
mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd Euro) an Steuergeldern.
15. Juli: Der Finanzinvestor RHJI stellt ein nachgebessertes
Übernahmeangebot für Opel vor. Die Bundesländer mit Opel-Standorten
favorisieren Magna, weil der Zulieferer weniger Stellen abbauen will.
19. August: Bund und Länder wollen die Kreditzusagen und
Bürgschaften für Opel über 4,5 Milliarden Euro ohne Beteiligung der
anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten vorstrecken, wenn GM
sich für Magna entscheidet.
10. September: Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von
Opel an Magna. Die Treuhand genehmigt das Geschäft.
14. September: Magna bestätigt, dass in Deutschland mehr als 4000
der rund 25 000 Stellen wegfallen werden. Die EU-Kommission kündigt
eine «sehr sorgfältige» Prüfung der Milliardenbeihilfen an. Belgien
ist aufgebracht, weil der Standort Antwerpen geschlossen werden soll.
Widerstand kommt auch aus Großbritannien und Spanien.
15. Oktober: Aus Sorge um ein späteres Veto der EU-Kommission
legen der designierte Käufer Magna mit seinem russischen Partner
Sberbank und GM die Unterzeichnung des Übernahmevertrags auf Eis.
16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere
Bedenken gegen die von der Bundesregierung versprochenen 4,5
Milliarden Euro an Staatshilfen. Die Hilfszusagen dürften nicht an
einen Bieter gebunden sein.
3. November: Der GM-Verwaltungsrat beschließt in einer
dramatischen Wendung, Opel doch zu behalten. Der Mutterkonzern will
das Europa-Geschäft selber sanieren.
10. November: Der 59 Jahre alte Brite Nick Reilly, als harter
Sanierer bekannt, ist ab sofort für eine Übergangszeit Chef des
Europageschäfts von GM.
11. November: GM veranschlagt den Finanzierungsbedarf für die
Sanierung von Opel mit 3,3 Milliarden Euro. Bundeswirtschaftsminister
Rainer Brüderle trifft in Berlin Reilly und GM-Vize John Smith.
Brüderle erwartet, dass GM die Finanzierung grundsätzlich selbst
aufbringt.
23. November: Bei einem Treffen in Brüssel verabreden die EU-
Länder mit Opel-Standorten, mögliche Staatshilfen für GM/Opel-
Standorte in Europa miteinander abzustimmen. Damit sollen Alleingänge
und ein Subventionswettbewerb verhindert werden.
24. November: GM zahlt die letzte Kreditrate von 400 Millionen
Euro der deutschen Überbrückungshilfe für Opel zurück. Opel liegt
wieder ganz in der Hand von GM. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):
«Der deutsche Steuerzahler hat bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Cent
an Opel verloren».
25. November: GM will bei der Sanierung von Opel rund 9000 Stellen
von 55 000 in ganz Europa abbauen. Die Produktionskapazität solle um
20 Prozent sinken, kündigt Reilly an. In Deutschland stehen die
Beschäftigten vor massiven Einschnitten, bis zu 5400 Stellen sollen
gestrichen werden. Die vier deutschen Werke in Rüssselsheim, Bochum,
Kaiserslautern und Eisenach bleiben erhalten.
Deutsche Opel-Standorte überleben
ein Video des ZDF Heute-Journal

